Full text : Die Bodenreform im Lichte des humanistischen Sozialismus

IV.

Die  Wohnungsfrage.

1895.

aß  in  sozialen  Zuständen,  in  welchen  durch  die

U  wirtschaftliche  Entwicklung  die  Menschheit  in  eine
kleine  Gruppe  Reicher  und  in  eine  große  Masse  Verarmter ­
  getrennt  ist,  auch  die  Wohnungsverhältnisse
nicht  gerade  befriedigende  sein  können,  leuchtet  ohne
weitere  Untersuchung  von  selbst  ein.  Denn  die  Wohnungsfrage ­
  bildet  notwendigerweise  einen  mit  allen  sozialen
Mißständen  eng  verbundenen  Teil;  sie  erscheint  in  trübem
Lichte  bei  allgemeiner  Armut;  sie  hat  ein  freundliches  Angesicht, ­
  wenn  das  allgemeine  wirtschaftliche  Niveau  sich
hebt.  Solche  Zeiten  haben  im  Laufe  der  Geschichte  des
öfteren  miteinander  abgewechselt,  immer  ist  der  Geburtsepoche ­
  einer  neuen,  besseren  Zeit  ein  Ringen  und  Streben
der  unterdrückten  Volksmassen  vorausgegangen.  Stets
finden  wir  in  solchen  Zeitläufen  die  Erscheinung  einer
Wohnungsfrage.  So  auch  in  unseren  Tagen.  Neben  all
dem  Elend,  das  sich  unseren  Augen  auftut,  bemerken  wir
zugleich  freudigen  Sinnes,  daß  überall  ehrliche  Herzen  sich
■öffnen,  mit  Rat  und  Tat  beizuspringen,  Wege  zu  finden,
das  Elend  zu  mildern  und  zu  beseitigen.  Manche  freilich
von  denen,  die  sich  mit  der  Linderung  der  Wohnungsnot
befassen,  tun  es  nur  aus  dem  Grunde,  weil  die  Berührung
der  Wohnungsfrage  die  Erörterung  fundamentaler  Fragen
des  gesamten  Wirtschaftslebens  nicht  notwendig  zur  Folge
hat.  Es  ist  ja  ein  anderes,  über  die  elenden  Wohnungen
städtischer  Arbeiter  zu  jammern  und  auf  die  grausame
            
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