Die Wohnungsfrage.
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hier ein furchtbarer Kampf aller gegen alle entbrannt;
jede Rücksicht selbst auf Freundschaft und Nachbarschaft
ist entschwunden; Mammon gilt bei jenen Menschen alles.
Und so hoffnungslos hat die Ausgesogenen vielfach die
üble Lage ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse gemacht, daß
eine große Anzahl nur noch Heil und Rettung in dem
Programme des Kommunismus, wie ihn die Sozialdemokratie
vertritt, erblicken kann.
Man hat sich nun bei dem Gedanken an die Besserung
der Wohnungsverhältnisse selten von der Einsicht leiten
lassen, daß die Wohnungsnot nur ein Teil der sozialen
Frage ist, sondern hat gehandelt, als sei sie eine Frage für
sich. Wir sehen das bei allen gesetzgeberischen Versuchen,
welche besonders in England und Frankreich in dieser
Hinsicht gemacht sind; wir können es auch bei den Be
mühungen der Privaten bemerken. Niemals hat man bis
vor kurzem darauf Rücksicht genommen, daß die schlechten
Wohnungszustände zum großen Teile durch den krank
haften Zug der ländlichen Bevölkerung nach den Städten
eintreten; man hat nicht versucht, diesen Strom zurück-
.zuhalten. Daher leuchtet es von selbst ein, daß das Er
bauen von einigen Häusern gar keine Bedeutung haben
kann, vor allem aber dann nicht, wenn man sich darauf
beschränkt, im wesentlichen alte Spelunken abzureißen und
an deren Stelle neue Häuser zu setzen.
Englands Gesetzgebung hat sich schon in den 20er
Jahren dieses Jahrhunderts mit der Besserung der Wohnungs
verhältnisse, zumal der arbeitenden Klasse, beschäftigt, aber
alle Bemühungen nach dieser Richtung sind nur ein Tropfen
auf einen heißen Stein gewesen. Das Wohnungselend in
den englischen Städten, zumal in London ist ein sehr großes.
Ehe wir auf die eigentliche Arbeiter-Wohnungs-Gesetz-
gebung eingehen, wollen wir erwähnen, daß den Behörden
schon längst eine Reihe gesetzlicher Befugnisse gegen grobe