M seine Herrschaft über die Materie und seine Unsterblichkeit sich erinnern; soll der Arme
îņit dein Neichen, der Bettler mit dem Fürsten an einem Tische sitzen, als gleiche Kinder
Ģottes sich erkennen; ja er soll sehen, daß, wenn Gott in seiner Zärtlichkeit einen Unter
schied macht, dieses zu Gunsten der Armen, dieser Schooßkinder der Vorsehung, geschieht;
^ soll seine Gottähnlichkeit auch in dem sechstügigen Arbeitswerke und dem gottgeweihten
Ruhetage erkennen, und von diesem an den ewigen Ruhetag nach sechstägigem irdischen
Tagewerk sich erinnern lassen. Wie groß ist der Mensch von diesem Gesichtspunkte aus!
Öhue den Sonntag verliert er die Kenntniß und das Gefühl seiner Würde, wird zum
Sklaven, und noch weniger als dieser. Der Arbeiter wird zur Maschine, die man gebraucht,
den Boden zu bebauen, das Eisen zu schmieden, den Thon zu formen, das Holz zu
hobeln over den Stein zu schneiden; gegen die man alle Gerechtigkeit erfüllt zu haben
Qltiubt, wenn man von Zeit zu Zeit einiges Oel in das Räderwerk gießt, um sie in
^äng zu erhalten, die man ohne Erbarmen wegwirft, wenn sie den Dienst versagt; er
ivird gleich gehalten, sagt der Psalmist, den unvernünftigen Thieren. Und was wird er
ìn seinen Augen? Das sagt der nämliche königliche Psalmensänger in derselben Stelle:
"Und er ist ihnen gleich geworden". Er kennt nicht einmal mehr den Grad der Erniedri
gung, zu dem er herabgesunken, übernimmt ohne Ueberwindung die ihm zugewiesene Rolle.
Während der Chinese doch noch vier Wahrheiten anerkennt: essen, trinken, verdauen und
Olafen, kennt er nur eine: Geld verdienen, um an einem entheiligten Sonntage einige
stunden im Alkohol sein Leiden zu vergessen. Und wie sind ihm diese paar Brocken
'bischer Glückseligkeit noch verbittert! Mit Schelten genießt er sie, unter neidischem Seiten
blicke auf seinen Arbeitgeber, einen liberalen Industriellen, für den er im Schweiße seines
Angesichtes arbeiten muß, der an einem Tage von dem Schweiße des Arbeiters sich mehr
Genüsse verschafft, als dieser sein halbes oder ganzes Leben lang. Wahrlich, der Arbeiter
uhne Soutag hat die ganze Woche hindurch einen unheimlichen blauen Montag
Bei dem gläubigen Landvolke sehen wir so recht, wie der Sonntag eine Art poetischer
Verklärung ans Verhältnisse und Personen ausgießt. Treten wir an einem der kirchlichen
hochfeste iu ein solch christliches Haus, und wir werden gewahren, wie selbst die, Krank
heiten ein feierliches Gepräge angenommen haben, die Schmerzen weniger heftig scheinen;
io Gatten fühlen eine Erneuerung ihrer ehrerbietigen Zärtlichkeit; der Zauber der Mutter-
iiobe verdoppelt sich; die Kindesliebe schmiegt sich mit mehr Gelehrigkeit unter das milde
Zepter der Mutter; der Landmann over Handwerker, sonst von dunkeln Ahnungen poli-
hicher Freiheit und Gleichheit gequält, ist mit seinem Schicksal zufriedener; der Hausherr
!|| weniger hart und wohlwollender; der Dienstbote, dieses Hausgeräthe in Menschengestalt,
şiìhlt sich ergebener und treuer. Der Somitag verschafft dem Armen ein sauberes Hemd
wid reineres Kleid, und schon das hat etwas Geistcrhebendes, es befreit dom Schmutze
üechtischer Gesinnung, macht aufmerksam auf einen edleren -vheil, eine edlere Wirkung,
^enn es einmal keinen Sonntag mehr gibt, dann werden den Sklaven der Arbeit die
^orktagskittel als verfaulte Lappen vom Leibe fallen. Die Hausfrau umgibt am Sonn-
a 8 e ihre häuslichen Einrichtungen mit einem gewissen feierlichen, selbst luxuriösen Anstriche
^ empfängt in liebenswürdigerer Laune die Freunde des Gatten. Die Töchter haben
>vahre Verklärungstage: strahlend in Gesundheit und Leben, verschönt durch das Zeugniß
Mitten Gewissens, geschmückt mit den Arbeiten ihrer Hände, gesehen (ein wenig Eitelkeit
îìrfcu wir wohl auch den frommen Beterinnen zu gut halten) von allen Gespielinnen in
îŗ Kirche, welche Bäuerin vergißt da nicht die vielleicht harte Arbeit der Woche. Ter
^°nntag unterbricht die eiserne Lebenskette mit einem goldenen Ring; auch das Bauern-
^àdchen und der Knabe bewundern die schöne Facade, die majestätische Kuppel, die korinthische
fùtile, das schöne Kreuzgewölbe ihres Gotteshauses; auch der ärmste Handwerker wird in
1)111 mit freudigem Stolze erfüllt, wenn er als Bruder in Christo dem Fürsten und Edel-
"'«n» sich gleichgestellt sieht; der feierliche Gottesdienst und die herrlichen Kirchenlieder,