156
Die Wohnungsfrage.
der 'Wohnungsfrage mit einem Sinken. der Bodenpreise-
einhergeht, so werden wir uns gegen alle Vorschläge er
klären müssen, welche den Städten empfehlen, möglichst
viel Grund und Boden ä tout prix in dem Weichbilde der
Stadt anzukaufen, um nachher die steigenden Grundrenten
für das Gemeinwesen einzuziehen. Solche Pläne sind ein
fach Unsinn und können nur in dem kleinen Kreise von
Leuten gedeihen, denen der Zusammenhang zwischen Ursache
und Wirkung in wirtschaftlichen Dingen fehlt, oder die,,
wie die Agrarier, die Politik auf eine falsche Spur leiten
wollen. Die Gemeinden würden sich kurzerhand vor den
Bankerott stellen, wenn die Bodenpreise sinken. Dennoch
liegt es im Interesse der Gemeinden bzw. der Bürger, wenn
nicht leichtfertig Gemeindegrundbesitz an Spekulanten ver
äußert wird, sondern derselbe vielmehr benutzt wird, um.
darauf entweder Volksgärten anzulegen oder Mietwohnungen
zu bauen, welche sowohl in betreff der Baukunst als be
sonders in Hinsicht der Mietpreise ein leuchtendes Beispiel
sein können und in lebhafte Konkurrenz mit den Bau
spekulanten treten. Wo immer es angängig und nützlich
erscheint, sollte zu diesem Zwecke die Gemeindeverwaltung
genau wie die Staatsverwaltung kein Bedenken tragen, den.
städtischen bzw. staatlichen Grundbesitz zu vermehren.
Im allgemeinen aber sind wir der Meinung, daß Staat,
und Gemeinde wohl daran tun, den Baugrund wie das Acker
land unter Verstaatlichung der Grundrente dem freien Ver
kehre zu überlassen. Fernerhin können sie durch Anlage
von Kleinbahnen nach den Außenorten dazu beitragen, die
gefährlichen Ringe der Bodenspekulanten zu durchbrechen,,
indem sie Arbeitern Gelegenheit geben, draußen billiger zu
wohnen und schnell die Arbeitsstätte zu erreichen.
Neben den umfassenden Maßregeln einer durchgreifenden.
Sozialpolitik im Sinne des humanistischen Sozialismus er
scheint uns auch in der Wohnungsfrage die Selbsthilfe