Full text : Die Bodenreform im Lichte des humanistischen Sozialismus

164

i

Die  Wohnungsfrage.

Kinder  groß  geworden  seien  und  aus  dem  Hause  gingen,  sei
dasselbe  ebenfalls  nicht  größer.  In  der  Zwischenzeit  möge
es  wohl  etwas  steigen.  Indessen  seien  in  dem  Hause  sogar
Wohnungen  von  vier  Zimmern  vorgesehen.
Herr  Stadtv.  L.:  Nachdem  von  Mitgliedern  der  Baukommission ­
  diese  Ausstellungen  gemacht  seien,  beantrage  er,  behufs ­
  Einigung  über  dieselben,  Zurückverweisung  des  Projektes
an  das  Kuratorium.
Herr  Stadtv.  F.  Er  habe  aus  der  Disputation  die  Ansicht
gewonnen,  daß  es  am  besten  sei,  das  ganze  Projekt  zu  verwerfen ­
  und  das  Haus  von  Grund  aus  neu  zu  bauen.
Her  Oberbürgermeister  L.:  Der  größte  Teil  der  städtischen
Beamten  wohne  auf  zwei  Zimmern  und  wenn  „seine“  Beamten
damit  auskämen,  so  sei  das  Beweis  genug  für  das  Projekt.
(Redner  erklärte  später,  daß  er  vorzüglich  die  Schutzleute
im  Auge  habe.)
Nachdem  Herr  H.  erklärt  hatte,  daß  er  es  für  unmöglich
halte,  einen  festen  Plan  für  die  Ausführung  der  ganzen  Stiftung  vorzulegen
  und  Herr  E.  irrige  Auffassungen  aus  seinem  Vortrage  korrigiert, ­
  wird  das  Projekt  der  Verwaltung  gemäß  dem  Vorschläge
des  Herrn  L.  an  das  Kuratorium  nochmals  zurückverwiesen.“
Eine  derartige  Behandlung  der  wichtigsten  Bürgerinteressen ­
  rüttelte  die  Bürgerschaft  aus  ihrem  Schlafe  auf;  es
wurden  Petitionen  an  den  Vorsitzenden  der  Adersstiftung,
an  den  Oberbürgermeister  und  die  Stadtverordneten  geschickt,
welche  um  Umkehr  von  den  faulen  Wegen  ersuchten.  Aber
hochmütig  legten  die  Herren  diese  ad  acta.  Die  Folge
davon  war  der  folgende  einstimmige  Protest  einer  großen
Bürgerversammlung,  der  dann  auch  den  Erfolg  hatte,  daß
der  Oberbürgermeister  erklärte,  daß  das  Kuratorium  von
dem  törichten  Ankäufe  alter  Häuser  in  dem  alten  Stadtteile
Abstand  nehmen  werde,  daß  dagegen  nur  Neubauten  an
der  Peripherie  der  Stadt  errichtet  werden  sollten:
Düsseldorf,  30.  Mai  1892.*)
Die  gestern  vom  Ortsverbande  der  deutschen  Gewerkvereine ­
  einberufene  Versammlung  behufs  Besprechung  der
Wohnungsfrage  unter  Berücksichtigung  der  Adersstiftung  war
von  schönem  Erfolge  gekrönt.  Der  große  Saal  des  Herrn
Pütz  war  bis  auf  den  letzten  Platz  besetzt,  und  zwar  nahmen

)  Bericht  der  „Bürgerzeitung.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.