Contents: Die Nationalökonomie in Frankreich

Allgemeine Volkswirtschaftslehre 
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Später versuchte es das Journal des Economistes ihm und seinen 
Kollegen gegenüber, welche seinen Fußstapfen gefolgt waren, 
mit der Politik des Totschweigens. Allerdings ohne Erfolg. 
Cauwès seinerseits ist auch stark in der Polemik. Er wird 
zwar nie so gehässig persönlich, wie seine Gegner, aber er ver 
säumt keine Gelegenheit, dem „laisser faire“ zu Leibe zu rücken. 
Immer temperamentvoll, manchmal mit beißender Schärfe. 
Maurice Bourguin, Professor der Nationalökonomie an der 
juristischen Fakultät in Paris, hat von allen Professoren der 
französischen Rechtsfakultäten den deutschen Kathedersozialis 
mus am vollkommensten in sich aufgenommen. Sein Buch 
„Les Systèmes socialistes et l’Evolution économique“ 1 ) hat ihm 
mit einem Schlage eine führende Rolle unter den Interventionisten 
Frankreichs gesichert. Bourguin hat diesen Erfolg nicht minder 
dem Aktualitätscharakter seines Werkes, als dessen methodischen 
und inhaltlichen Vorzügen zu verdanken. Das kam so: die 
Ministerien Waldeck-Kousseau-Mülerand und Combes, welche mit 
dem Interventionismus in Frankreich ernst zu machen begannen, 
waren mit den sozialistischen Parteien verbündet. Dies trug 
wesentlich dazu bei, die Grenzen, welche die staatliche Ein 
mischung ins Wirtschaftsleben vom Kollektivismus trennt, in 
der Auffassung weiter Kreise zu verdunkeln. Die dadurch in 
Bourgeoiskreisen ausgelöste individualistische Reaktion schlug 
bald, wie wir im I. Buche gesehen haben, hohe Wellen in den 
juristischen Fakultäten. Mit überlegener Kraft trat jener nun 
mehr Bourguins tief durchdachtes Buch entgegen, in dem der 
Verfasser die Grenze zwischen dem Sozialismus und der tat 
sächlichen, wirtschaftlichen Entwicklung, deren integrierender 
Bestandteil der Interventionismus ist, deduktiv und induktiv 
scharf zeichnet. 
Wer in dem Buche von Bourguin neue Tatsachen oder 
Ideen suchen wollte, würde wohl nicht auf seine Rechnung 
kommen. Was es bietet, ist: scharfe und subtile Analyse, gründ 
liches, kraftvolles Räsonnement, umfassende Dokumentierung 
mit Beobachtungsmaterial, durchaus evolutionistisches Denken, 
*) Zuerst Paris, 1904, seither mehrfach; ins Deutsche übersetzt von 
L. Katzenstein, Leipzig, 1906.
	        
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