Full text : Die Bodenreform im Lichte des humanistischen Sozialismus

Die  Bodenreform  im  Lichte  des  Freihandels.  61

'hat  die  gegenwärtige  Gesellschaft  große  Ähnlichkeit  mit  einer
Schar  Reisender  in  der  Wüste.  Durstig  finden  sie  eine
Quelle,  die  genügend  wäre,  alle  zu  erquicken  und  zu  stärken;
allein  eine  kleine  Zahl  wirft  sich  auf  zum  Herrn  der  Quelle  ;
aus  Mißgunst  lassen  sie  der  Mehrzahl  nur  wenige  Tropfen
für  ihren  Durst;  sie  selbst  trinken  in  langen  Zügen,  allein
die  Quelle  fließt  stärker,  als  sie  austrink,en  können;  so  lassen
sie  aus  Übersättigung  und  Mißgunst  zugleich  die  Hälfte  des
sprudelnden  Stromes  in  den  Sand  verrinnen.“
Soweit  der  Denker  von  Jagetzow.
In  ähnlicher  Weise  führt  Lassalle  in  seinem  „Bastiat-:.Schulze-Delitzsch“
  ans,  daß  dem  Arbeiter  nur  soviel  von
der  Produktion  verbleibe,  als  zu  seinem  notwendigen  Lebensunterhalte ­
  genüge:
„Wenn  nun  aber  der  Arbeitslohn  im  Durchschnitt  immer
auf  den  notwendigen  Lebensunterhalt  beschränkt  ist,  so  folgt
hieraus  von  selbst,  daß  aller  aus  dem  Verkauf  der  Produkte
erlöste  Überschuß  des  Produktionsertrages  über  den  während
der  Dauer  der  Produktion  notwendigen  Lebensbedarf  in  den
Händen  des  Unternehmers  bleibt,  der  diesen  Überschuß  nun
nach  weiteren  Gesetzen,  die  wir  hier  nicht  untersuchen  können,
zwischen  sich  und  dem  reinen  Kapitalisten  (Zins,  und  resp.
dem  Bodenbesitzer  als  Grundrente,  auf  deren  besondere  Gesetze ­
  wir  hier  noch  weniger  eingehen  können)  verteilt.“
In  unseren  Tagen  tritt  mehr  und  mehr  hervor,  daß  der
Unternehmerprofit  nur  die  Folge  von  verkehrten  gesellschaftlichen ­
  Grundlagen  ist,  welche  die  arbeitende  Bevölkerung
von  dem  Nießbrauchs  an  der  Mutter  Erde  ausschloß.
Da  man  durch  Gesetze  erlaubte,  daß  jemand  Grund  und
Boden  eigentümlich  besitzen  konnte,  ohne  die  Arbeit  der
Naturkräfte  —  die  Grundrente  —  an  die  Gemeinschaft  abzugeben,
  gestattete  man,  daß  große  Landbesitzungen  sich
in  einer  Hand  vereinigen  konnten.  Dadurch  war  die  große
Masse  von  der  Urquelle  aller  Betätigung  ausgeschlossen;
die  Menschen  fanden  nur  Arbeit,  wenn  sie  sich  bereit  erklärten, ­
  dem  Bodeneigentümer  eine  Abgabe  zu  leisten,
welche  der  unentgeltlichen  Leistung  der  Naturkräfte  mehr
oder  weniger  entsprach.  Das  private  Bodeneigentum  in
            
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