Die Bodenreform im Lichte des Freihandels.
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•die größere Aufnahmefähigkeit der Massen Sorge tragen,
d. h. in Artikeln, in denen wir ebenso vorteilhaft pro
duzieren. Also kauffähig vor allem muß die Nation werden,
konkurrenzfähig auf dem Weltmärkte, wenn die sinkende
Monopolgrundrente billige Rohstoffe gestattet. Die Frage
•nach Glück und Wohlbefinden der Völker ist nicht etwa
lediglich eine handelspolitische, sondern wesentlich eine
sozialpolitische. Beide, miteinander innig verquickt, müssen
Zug um Zug um den Vortritt ringen, bis nach langer Zeit
das endliche Ziel: Zufriedenheit und Gerechtigkeit erreicht
ist. Die Bildung einer neuen, großen und lebenskräftigen
Partei, welche entschlossen ist, dieses Kulturprogramm auf
ihre Standarte zu schreiben, muß die Aufgabe idealgesinnter
und freiheitliebender Männer sein. —
Die Doktrinen des manchesterlichen Freihandels sind wohl
für immer abgetan, da sie durch ihre Vernachlässigung grund
legender Kategorien ganze Völker an den Rand des Ver
derbens gebracht haben. Für jenen Freihandel war nur der
■Grundsatz maßgebend, daß jeder dort kaufen soll, wo der
Markt am billigsten sei; aber er kümmerte sich nicht darum,
ob die, welchen dieser Rat gegeben wurde, auch in der
Lage seien, überhaupt kaufen zu können. Was aber kann
es dem Deutschen helfen, ob er aus England oder Amerika
herübergeschickte Waren billiger als im Vaterlande selbst
kaufen kann, wenn er durch eben diese Einfuhr seine Arbeit
verliert oder in seinem Einkommen geschwächt wird! Denn
-erst die Möglichkeit, arbeiten zu können, setzt die meisten
in den Stand, anderer Produkte einzutauschen. Wenn aber
die soziale Entwickelung dahin geführt hat, daß sich die
.Gesellschaft in eine kleine Clique reicher Nichtstuer und
in einen großen Haufen verarmter Menschen getrennt hat,
so kann ein Güteraustausch nach den Lehren des manchester
lichen Freihandels, wo auch Grund und Boden als Ware
»betrachtet wird, nur von höchstem Verderben für das Wohl