Full text: Die Bodenreform im Lichte des humanistischen Sozialismus

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Die Bodenreform im Lichte des Freihandels. 
wirtschaftlichen Ordnung unserer Tage der Schutzzoll zeit 
weise für die Produzenten (im weitesten Sinne des Wortes) 
ein größerer Segen sein kann als der Freihandel, da er den 
akuten Zusammenbruch vermeidet. Leider wird aber durch 
den Schutz die Produktion auf Zweige geleitet, welche weder 
der natürlichen Beschaffenheit des Landes noch der Ge 
schicklichkeit der Einwohner entsprechen: Die Güter 
produktion nimmt durch Ausschluß der Konkurrenz weiter 
ab. Das Schlimmste aber ist, daß sich im geschützten Ge 
biete die Grundlagen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung 
immer weiterentwickeln: Grundrente und Zins nehmen den 
Vorteil, den der Zoll nach außen gewährte, mehr als fort. 
Der Bauer hat keinen Vorteil von ihm, da die Preise und 
Pachten des Bodens steigen, der Industrielle muß infolge 
dessen teuere Rohstoffe kaufen. Dabei nimmt der Konsum 
der Massen relativ immer mehr ab, obwohl sie die Ver 
teuerung der notwendigsten Unterhaltsmittel durch Erhöhung 
der Löhne zum Teil wett machen können. Wenn auch 
Lebensmittel, Wohnungen usw. im Preise steigen, soviel, 
als die Arbeiter zum Leben gebrauchen, muß ihnen der 
Unternehmer zahlen, da sonst der wildeste Ausbruch der 
Verzweiflung drohen würde. Mehr aber haben sie auch 
vorher nicht gehabt, das eherne Lohngesetz hat ihnen nie 
mehr als das Existenzminimum gelassen. Die Konzentration 
der großen Vermögen geht, mag auch der Zinsfuß sinken, 
immer weiter vor sich; die Reichen werden reicher, die 
Armen immer ärmer. — 
Wir glauben übrigens nicht, daß es der Gedanke des 
Vaters der Schutzzölle — welche bekanntlich durch den 
berühmten Dezemberbrief Bismarcks inauguriert wurden — 
gewesen ist, die Krisis endgültig durch dieses Mittel zu 
heilen. Wir halten ihn für einen vaterlandsliebenden, ziel 
bewußten Staatsmann, der klaren Blickes weitere Reformen 
im Auge gehabt hat. Wenn es freilich wahr wäre, daß er
	        
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