Einleitung: Alte und neue Geldlehre.
wir nur einen Teil, vor allem die bekanntere Lil
rücksichtigen konnten. Man wird uns dann entgeh
wir seien selbst nicht frei von dem oben an andeT?
rügten Fehler. Indessen ist es zunächst ein Unterschied, ob
man einen Teil der vorhandenen Literatur studiert hat, oder
wie so viele andere, selbst nicht einmal die bekannteren Fach
schriftsteller des 19. und 20. Jahrhunderts kennt 1 . Gewiß
sind wir uns jenes Mangels bewußt: Ein »korrektes« Studium
der gesamten Literatur ist uns so wenig möglich gewesen
wie irgendeinem. Und das bleibt ein Übel. Wer je ein noch
so spezielles Gebiet der Nationalökonomie bearbeitet hat,
der weiß, in wie unberechenbarer Weise oft wertvolles
Material in der Literatur verstreut ist: Wo zehn Schriften
über den gleichen Gegenstand nichts Neues enthalten, da
kann eine vergessene elfte, die zeitlich jenen vorangegangen,
eine Fülle bedeutungsvollen Stoffes darbieten. Immerhin
wird es in Hinsicht auf die Unübersehbarkeit der Literatur
und auf die oben besprochene Begrenztheit des Stoffes zu
rechtfertigen sein, wenn man, bei vollem Bewußtsein jenes
Mangels doch überhaupt noch eine Erörterung der Geld
probleme versucht. Kommt es doch auch auf die Art des
Studiums an: Eine gewisse Kenntnis der Literatur ist gewiß
als Voraussetzung für ein Eindringen in die Materie uner
läßlich, aber diese Literaturkenntnis kann nicht unmittelbar
schon die Quelle theoretischen Verständnisses sein. Es liegt
in der verhältnismäßig abstrakten Natur der Geldprobleme,
insbesondere des »statischen«, daß schließlich Wissen hier
weniger bedeutet als Nachdenken.
1 Ein so gebildeter Theoretiker wie Soda (Geld und Wert, 1909) zitiert
außer den »drei Leitsternen der deutschen Nationalökonomie auf dem Ge
biete der Geldlehre«, als die er Knies, Simmel und Knapp betrachtet, nur
wenige neuere Autoren. Gänzlich unbekannt scheinen ihm Büsch, Gentz,
Adam Müller, Graf Buquoy, Hufeland, Samuel Oppenheim, Adolph Wagner,
Otto Heyn.