§ 2. Die Anweisungstheorie.
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zahlt, hingegen wer mit Gelde bezahlt wird, dem ist bloß die
Anweisung auf eine wirkliche Bezahlung gegeben, die sowohl
von der Meinung der Menschen, als von Zeit und Ort noch
immer sehr abhängig ist. Eine gegebene Mahlmühle erzeugt
täglich eine bestimmte Menge Mehl. Hundert Gulden, wo
für ich heute an Ort und Stelle a Metzen Korn erhalte, ge
währen mir mehr oder weniger, je nachdem sich von heute
auf morgen die Meinung der Menschen geändert hat.«
(Seite 237.) »Das Geld ist wesentlich nicht selbst ein
Gegenstand von innerem Werte; es ist eine Anweisung an
Dingen von Wert. Die Anweisung ist vollkommen unbestimmt
rücksichtlich der Qualitäten und bloß rücksichtlich der Quan
titäten, selbst aber in dieser letzteren Hinsicht bloß insofern
bestimmt, als Zeit und Ort gegeben sind, welche Bestimmung
nicht in der Natur des Geldes, sondern in der jedesmaligen
Meinung der Menschen ihren Grund hat.«
Bei Oppenheim finden sich folgende Stellen (Seite 35):
»Diese beiden letzten Eigenschaften des Geldes haben die
Wortstreit hinaus, anderseits steckt aber im Geldbegriff, wie wir oben ge
sehen, stets schon eine Theorie: In diesem Falle die Hypothese, daß
wertvoller Stoff im allgemeinen für die Oeldfunktion nicht nötig und daß
daher Papiergeld an sich ein dem metallenen durchaus ebenbürtiges Geld
sei. Die Einseitigkeit dieser Lehre werden wir später aufzudecken versuchen.
Im metallenen Stoffe sieht man zuweilen aus verschiedenen Gründen
nicht nur etwas Unnötiges, sondern sogar etwas Schädliches. Einmal, weil
somit das Geld abhängig werde vom schwankenden Wert eines Stoffes,
dessen Produktionskosten wechselten, dann aber auch noch aus einem
anderen Grunde. Das Metall wirke schädlich, weil es den unhaltbaren
metallistischen Aberglauben der Menschen an einen immanenten Wert
dieses Stoffes fördere und verhindere, daß die Menschen sich an das voll
kommenere Geld, das Papier, gewöhnen. Wenn Paniken in kritischer Zeit
entständen, so läge der Fehler nicht darin, daß die Einlösung des Papiers
suspendiert werde, sondern darin, daß vorher, in gewöhnlicher Zeit, Ein
lösung bestanden habe. Solange Einlösung besteht, würden in unruhigen
Zeiten. Paniken nicht zu vermeiden sein. Der letztere Satz ist zugegeben.
Fraglich ist nur, ob der Glaube an das Metall wirklich bloß Aberglauben,
oder nicht doch etwas fester in natürlichen und wirtschaftlichen Tatsachen
begründet ist, als die »Chartalisten« meinen.