FARBIGE PLAKATE
vollendete Abwechslung der Lettern, der Konkurrenz zu begeg-
nen (s. Abb. 52 aus dem Jahre 1848). Diese Bemühungen
konnten allerdings den vollständigen Sieg der Lithographie
auf dem Gebiete des Plakates nicht verhindern, sondern bloß
ein wenig verzögern.
Die Anwendung der Chromolithographie (Farbenstein-
zeichnung) geht auf Professor Zahn (1827) zurück, Einen
weiteren Schritt brachte die Verwendung der photogra-
phischen Platte in der Lithographie, ein Verfahren, bei
welchem der Stein mit einer lichtempfindlichen Chromgelatine
überzogen wird. Durch die Benutzung der drei Grundfarben gelb,
rot und blau ist es hierbei möglich, jede beliebige Farbe heraus-
zubringen. Das System der Komplementärfarben, das bereits im
Kupferstichverfahren von Le Bon in London 1720 erfunden
wurde, gewann erst durch die Erfindung der farbenempfindlichen
photographischen Platte vom Jahre 1873 ab große, praktische
Bedeutung; der erste photolithographische Buntdruck wurde
mit Hilfe der drei Grundfarben im Jahre 1890 hergestellt.
Die Lithographie hat das große Format für bildliche
Darstellungen auf Plakaten, die Photochromolithographie
das mehrfarbige Plakat und damit gleichzeitig die Ent-
wicklung der Plakatkunst ermöglicht.
Für die Entwicklung der Plakatkunst war es von ent-
scheidender Bedeutung, daß knapp an der Wende des 19. Jahr-
hunderts eine für das Plakat besonders geeignete Umwälzung
in der Malerei vor sich ging. Von dem Engländer William
Turner (1775 bis 1851) ausgehend, brach sich mit Claude Monet
in den 80er Jahren der Impressionismus Bahn. Den leiten-
den Gesichtspunkt dieser Richtung in der Malerei bildete die
Darstellung der Sujets, so wie sie wirklich gesehen werden,
unter besonderer Berücksichtigung der durch Farbe, Licht
und Luft auf den Beschauer ausgeübten Wirkung und unter
Vernachlässigung der für den Gesamteindruck unmaßgeblichen
Details. Diese Malweise hat erst die Erzielung der für das
Plakat entscheidenden Fernwirkung ermöglicht. Einen weiteren
Fortschritt erfuhr die Entwicklung der Plakatkunst durch die
um 1900 in der Kunst zur Vorherrschaft gelangte Richtung
des Naturalismus (naturgetreue Darstellung von Gegen-
ständen, wie sie wirklich sind).