§ 4. Staatliche und überstaatliche Oeldtheorie.
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werden müssen ? Wären solche Konzessionen nicht nötig ge
wesen, wenn Knapp denjenigen Teil der Währungspolitik in
den einzelnen Staaten, der die Verdrängung des baren Geldes
durch »notales« betrifft, nach allen Seiten hin beleuchtet und
nicht bloß einer einseitigen formal-korrekten Betrachtung
vom rechtsgeschichtlichen Standpunkte aus unterzogen hätte ?
So aber sieht Knapp den festen Kurs als letztes Ziel aller mo-:
dernen Währungspolitik an, so betrachtet er das Vordringen
unterwertiger Geldarten nur als etwas Formal-Korrektes.
Seine Hypothese versucht nicht, wie die Theorie der Ent
goldung, hinabzusteigen in die konkrete Mannigfaltigkeit der
Motive auswärtiger und imperialistischer Politik und in die
interessante Wirklichkeit sozialer Machtverhältnisse. Aller
dings hat sie den Vorzug größter Allgemeinheit und Korrekt
heit. Aber es wäre allzu bequem, sich mit ihr zu begnügen,
es wäre kaum zu rechtfertigen, wollte man aus Furcht vor der
Unbeweisbarkeit jeder Hypothese da haltmachen, wo die
Probleme des Lebens am interessantesten zu werden be
ginnen. Wenn der friedliche wirtschaftliche und finanzielle
Verkehr zwischen England und Ostindien gestört werden
sollte, und wenn die indische Valuta dann der Entwertung
verfiele — so entfielen auch die Voraussetzungen der Knapp-
schen Betrachtungen, nämlich ein geordnetes einheitliches
Staatswesen mit dem währungspolitischen Streben nach
festen Wechselkursen. Nicht etwa, daß Knapps Theorie sich
als falsch erwiese, weil eine Entwertung des Silbers und Pa
piers für sie unerklärbar schiene. Falsch wäre es vielmehr,
von Knapps Lehre jetzt noch eine Erklärung z;u verlangen,
da ihre Voraussetzungen nicht mehr zuträfen. Aber gerade
um jene anderen Voraussetzungen handelt es sich, gerade die
anderen Voraussetzungen interessieren uns, und deshalb kön
nen wir uns mit Knapp nicht begnügen. Eine zusammen
fassende Betrachtung über das Geldwesen des britischen Im-