Full text: Logik des Geldes

§ 2. Die beiden in der Literatur herrschend. Grundauffass. d. Papiergeldes. 89 
messer, auch Papiergeld selbständiges Geld. Denn wo alles 
Metall aus der Zirkulation verdrängt ist, kann da etwas 
anderes Preismesser sein, als das Papiergeld, das durchaus 
von der Kaufkraft des vorher zirkulierenden Metallgeldes 
abweichen kann? Wenn ferner Papier wertloser Stoff ist, 
so bleibt auch der Stoffwert des Metallgeldes höchst pro 
blematisch (vgl. S. 70, Anm. 1). Der Wert des Papiergeldes 
beruht keineswegs auf dem des Metallgeldes, und Einlösung 
in Metall wäre eine schlechte Einlösung, wäre nur die Um 
wandlung eines Zeichens in ein anderes; in Wahrheit gibt 
es keine Einlösung, sondern nur eine Umwechslung. Silber 
geld ist heute eigentlich nur Blechmarke, und mag auch Gold 
geld einen im Vergleich zu anderen Gütern ansehnlichen 
Stoffwert haben, so ist doch dieser Stoffwert nicht Grund 
lage seiner Geltung. Gelten aber und Zirkulieren ist das 
Wesen des Geldes, und sofern der Stoff zu diesem Wesen 
nicht gehört, ist ein stoffwertloses Geld nicht nur Geld, 
sondern das ideale Geld, die vornehmste Verkörperung der 
Geldfunktion. Es ist zuzugeben, daß in der Vergangenheit, 
in der Geschichte, das Papiergeld meist ein Kind der Not 
war; muß es aber so sein? Liegt das wirklich im Wesen 
des Geldes? Kann nicht in Zukunft das Papiergeld; eben 
ein scharfes und zweischneidiges Werkzeug, bei vernunft 
gemäßer Handhabung gerade ein vollkommenes Geld wer 
den, frei von der Erdkruste des Metalls, unabhängig in 
seinem Werte von wechselnden Produktionsbedingungen, 
unabhängig von der Laune der Natur, wertbeständig und 
billiger als das den kostspieligen Stoff verschwendende Me 
tallgeld? Und hat man die Geschichte wirklich richtig inter 
pretiert? Oder geben nicht schon die Vorgänge der letzten 
Jahrzehnte eine andere Lehre? Haben nicht die Schäden, 
des Papiergeldes sich in geringerem Maße gezeigt, ist es 
nicht gelungen, echtes Papiergeld ohne wesentliche Ent-
	        
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