Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

12.  Aus  der  Geschichte  der  Siegerländer  Industrie.

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Synthesen  des  Alizarins  und  des  Indigos,  dann  des  Kampfers  und  anderer  Stoffe,
für  welche  die  Natur  bisher  ein  Monopol  zu  haben  schien.  Es  entwickelte  sich  auf
der  von  Liebig  geschaffenen  Grundlage  die  heutige  Düngemittelindustrie.  Die  pharmazeutische ­
  Großindustrie  wuchs  hervor  und  gab  den  Ärzten  neue  wirksame  Waffen
in  die  Hand.
In  vielfachem  Zusammenhang  mit  der  chemischen  Industrie  steht  die  große
deutsche  Beleuchtungstechnik,  die  ebenfalls  ein  Kind  des  letzten  halben  Jahrhunderts ­
  ist.  Die  Petroleumlampe  erscheint  heut  manchem  schon  als  ein  veraltetes
Möbel,  obwohl  ihre  allgemeine  Einführung  erst  in  den  sechziger  Jahren  erfolgte.  Daß
sie  in  dieser  Weise  zurückgedrängt  worden  ist,  ist  auf  den  Wettstreit  zwischen  der  Gastechnik ­
  und  der  Elektrotechnik  zurückzuführen,  die  uns  immer  neue  Verbesserungen
bringen.  Epochemachend  war  die  Erfindung  des  Auerfchen  Gasglühlichts  und  die
Entwicklung  dieser  Technik  durch  Deutsche,  die  Konstruktion  der  ersten  brauchbaren
elektrischen  Bogenlampe  durch  Hefner-Alteneck  und  der  Glühlampe  durch  Edison.  Es
ist  bekannt,  wie  große  Verdienste  um  die  Einführung  der  Glühlampe  und  um  die
Entwicklung  der  ganzen  elektrischen  Industrie  in  Deutschland  der  damals  noch  junge
Ingenieur  Emil  Rathenau  sich  erworben  hat.
Das  Bündnis  zwischen  Wissenschaft,  Technik  und  Industrie  ist  eine  der  Grundlagen ­
  unserer  modernen  wirtschaftlichen  Entwicklung.  Ihm  verdanken  wir  auch  die
Möglichkeit,  unsern  Export  aufrecht  zu  erhalten  und  auszudehnen,  nachdem  die  hohen
Auslandszölle  gegen  unsere  industriellen  Produkte  uns  mehr  und  mehr  zwingen,
die  alten  Gleise  zu  verlassen  und  in  der  Spezialisierung  und  Verfeinerung  unserer
Produktion  Ersatz  zu  suchen.

12.  Aus  der  Geschichte  der  Siegerländer  Industrie.
Von  Georg  Mollat.

M  o  l  l  a  t,  Zur  Würdigung  der  Siegerländer  Industrie.  Durchgesehener  Sonderabdruck
aus  der  Festschrift  zur  Feier  des  75jährigen  Bestehens  des  Kultur-  und  Gewerbeoereins  für
den  Kreis  Siegen.  Siegen,  im  September  1908.  S.  3—11.
Mollat,  sBericht  über  das  Wirtschaftsjahr  1910j.  In:  Mitteilungen  des  Berg-  und
Hüttenmännischen  Vereins,  E.  V.,  zu  Siegen.  Heft  XXXlll.  Siegen,  Druck  von  C.  Buchholz, ­
  1911.  S.  65—67.
In  seiner  klassischen  „Mineralogischen  Beschreibung  der  oranien  -  nassauischen
Lande"  aus  dem  Jahre  1789  macht  Johann  Philipp  Becher  einmal  die  Bemerkung, ­
  das  Fürstentum  Siegen  habe  seinen  ganzen  Wohlstand  und  sein  ganzes
Glück  dem  Bergbau  zu  verdanken;  ohne  ihn  würde  nicht  der  dritte  Teil  der  Einwohner ­
  darin  leben  können,  und  auch  diese  würden  sich  dabei  kümmerlich  von  der
Viehzucht  nähren  müssen.  „Durch  den  Berg-  und  Hüttenbetrieb  hingegen  —  fährt
Becher  dann  wörtlich  fort  —  ist  das  Land  bevölkert,  fsindj  Flecken  und  Dörfer  erbauet ­
  und  so  wüste  Gegenden  in  grüne  Auen  und  lachende  Fluren  umgeschaffen
worden,  die  sonst  der  Tau  des  Himmels  den  Menschen  nie  zum  Nutzen  hätte  befeuchten ­
  können."
Diese  Worte  eines  geist-  und  kenntnisreichen  Mannes  haben  auch  für  unsere
Zeit,  also  nach  mehr  als  100  Jahren,  noch  nichts  von  ihrer  Bedeutung  verloren.
Denn  mögen  wir  einen  Blick  auf  die  Ergebnisse  der  Volks-  und  der  Berufszählung
werfen,  mögen  wir  die  Produktionsstatistik  zur  Hand  nehmen,  mögen  wir  endlich  die
Gewerbesteuerlisten  durchblättern,  —  immer  wieder  werden  wir  finden,  daß  das
Berg-  und  Hüttenwesen  dem  Siegerlande  sein  bezeichnendes  wirtschaftliches  Gepräge
            
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