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Zweiter Teil. Handel. IV. Handelskrisen.
wie der Holländer". Solange wir dieses Wort mit gutem Gewissen unterschreiben
können, so lange brauchen wir uns auch um die Zukunft unserer engeren Heimat
und ihrer Bewohner keine Sorge zu machen, so lange werden das Siegerland und
die Siegerländer Industrie ihren Platz an der Sonne behaupten.
Glückauf!
IV. Handelskrisen.
Vorbemerkung, v- Philippovich, Grundriß der politischen Ökonomie. 1. Bd. 8. Aufll
Tübingen, I. C. B. Mohr (Paul Siebeck), 1909. S. 360: „Eine andauernde, mit weitreichenden
Wirkungen *) verbundene Störung in dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage ist es, die
man als Krise bezeichnet. — Solche andauernde Störungen können in jedem einzelnen Erwerbszweige
auftreten, sie können aber auch den ganzen Zusammenhang aller Wirtschaftseinheiten
ergreifen. Im ersteren Falle spricht man von einer besonderen Krisis des
betreffenden Erwerbszweiges, z. B. des Handwerks, der Landwirtschaft, der
Eisenindustrie, im letzteren Falle von einer allgemeinen Krisis. Mit Rücksicht auf
das Entstehungsgebiet der Störungserscheinungen spricht man von Produktions- oder
Absatzkrisen oder von Geld- und Kreditkrisen, je nachdem jene andauernde Verschiebung
in den Verhältnissen von Angebot und Nachfrage unmittelbar in den Produktionszweigen
und ihren Absatzgelegenheiten oder im Kreise der Geld- und Kreditorganisation ihren
Ausgangspunkt nimmt. Die Wirkung jeder Krisis überträgt sich aber auf alle zusammenhängenden
Wirtschaftserscheinungen, und es ist daher eine Produktionskrisis ohne Beeinflussung
der Geld- und Kreditverhältnisse so wenig denkbar wie eine Geld- und Kreditkrisis
ohne eine solche der Produktionszweige. Das Maß der gegenseitigen Beeinflussung ist allerdings
je nach der Ausdehnung und Stärke der Krise verschieden." — G. M.
1. Die Tulpenmanie in den Niederlanden (1634).
Von Max Wirth.
Wirth, Geschichte der Handelskrisen. 4. Ausl. Frankfurt a. M., I. D. Sauerländer,
1890. S. 23—26.
Im Jahre 1554 hatte der Naturforscher Busbeck die Tulpe von Adrianopel
aus nach dem abendländischen Europa gebracht. Als dieselbe, allmählich angepflanzt
und vermehrt, auch in den Niederlanden eingebürgert wurde, entstand dort eine solche
Liebhaberei für diese Blume, daß in den Jahren 1634—1638 eine wahre Manie
ausbrach, die zu einer reichen Handelsquelle der Spekulanten wurde, vornehmlich in
den Städten Amsterdam, Utrecht, Rotterdam, Alkmar, Leyden, Hartem, Enkhuisen,
Dianen, Hoorn und Medenblick. Der Handel wurde nach dem Gewicht der Tulpenzwiebeln
(nach Assen sAs —48,063 mg]) ganz gefchäfts- und börsenmäßig betrieben.
Geld, Güter, Haus und Hof, Vieh, Gerätschaften und Kleider wurden für Tulpenzwiebeln
gegeben und verschrieben. In einer alten Schrift heißt es: Edelleute, Kaufleute,
Handwerker, Schiffer, Bauern, Torfträger, Schornsteinfeger, Knechte, Mägde,
*) Stocken des Absatzes, auch trotz des gleichzeitigen Sinkens der Preise, Zusammen,
bruch und Unrentabilität vieler Unternehmungen, Entlassung von Arbeitern und Arbeitslosigkeit,
mangelnde Unternehmungslust und Zurückhaltung von Kapitalsanlagen, Einschränkung
des Kredites, Minderung der Einkommen in den betroffenen Wirtschaften, Verschärfung und ■
Übertragung der Absatzstockung auf andere Kreise.