1. Die Tulpenmanie in den Niederlanden (1634). 111
Trödelweiber usw., alles war von gleicher Sucht befallen. Anfangs gewann ein
jeder, und viele kamen nach gemachtem Handel, wie die Holländer mit einer im
Bauernkrieg auch in Deutschland sehr beliebten Bezeichnung sich ausdrückten, als die
„großen Hansen" daher. In allen Städten waren Wirtshäuser gewählt, welche statt
der Börse dienten, wo Vornehme und Geringe um Blumen handelten und die Kontrakte
mit großen Traktamenten bestätigten. Sie hatten unter sich Gesetze, Notare,
Schreiber.
„Die Geschichte der Tulpenmanie in Holland", sagt John Francis, „ist so
lehrreich als irgendeine einer ähnlichen Periode. Im Jahre 1634 waren die Hauptstädte
der Niederlande in einen Schacher verwickelt, welcher den soliden Handel
ruinierte, indem er das Spiel aufmunterte, welcher die Lüsternheit des Reichen, wie
die Begierde des Armen verlockte, welcher den Preis einer Blume höher als ihr
Gewicht in Gold steigerte, und welcher endigte, wie alle solche Perioden geendigt
haben, in Elend und wilder Verzweiflung. Viele wurden zugrunde gerichtet, nur
wenige bereichert, und Tulpen waren 1634 so eifrig gesucht wie 1844 Eisenbahnpromessen
(in England und — können wir hinzufügen — 1856 Kreditaktien in
Deutschland). Die Spekulation wurde bereits damals nach ähnlichen Prinzipien
geleitet. Geschäfte wurden abgefchlossen auf die Lieferung gewisser Tulpenzwiebeln,
und wenn, wie ein Fall vorkam, nur zwei Stück auf dem Markt waren, so wurden
Herrschaft und Land, Pferde, Ochsen, Hab und Gut verkauft, um die Differenz zu
zahlen. Kontrakte wurden abgeschlossen und Tausende von Gulden für Tulpen
bezahlt, welche weder die Makler noch Käufer oder Verkäufer gesehen hatten. Für
einige Zeit gewannen, wie gewöhnlich in solchen Perioden, alle und keiner verlor.
Arme Personen wurden reich. Hoch und nieder handelte in Blumen. Die Notare
bereicherten sich, und selbst der nüchterne Holländer träumte, ein dauerhaftes Glück
vor sich zu sehen. Leute der verschiedensten Professionen versilberten ihr Eigentum.
Häuser und Gerätschaften wurden zu Schleuderpreisen ausgeboten. Das Land gab
sich der trügerischen Hoffnung hin, daß die Leidenschaft für Tulpen immer andauern
würde, und als man erfuhr, daß selbst das Ausland von dem Fieber ergriffen wurde,
so glaubte man, daß der Reichtum der Welt sich an den Ufern des Zuidersees konzentrieren
und daß die Armut hinfüro zur Sage in Holland werden würde. Daß man
ernsthaft bei diesem Glauben war, beweisen die Preise, die gezahlt wurden, und die
Manie muß in der Tat tief gewurzelt haben, wenn, wie von vielen glaubwürdigen
Zeitgenossen versichert wird, Güter im Werte von 2500 fl. für eine Spezies gegeben
wurden, wenn für eine andere in der Regel 2000 fl. geboten und eine dritte einen
neuen Wagen, 2 Schimmel samt Geschirr wert geachtet wurde, wenn zwölf Acker Land
für eine Tulpe bezahlt wurden."
400 As von der Tulpenzwiebel, genannt Admiral Liefken, kosteten 4400 fl.;
446 As vom Admiral von der Eyk 1620 fl.; 1600 As Schilder 1615 fl.; 410 As
Viceroy 3000 fl.; 200 As Kemper ^.u^ustus 5550 fl. usw. Die Stadtregister von
Alkmar bezeugen, daß 1637 120 Tulpenzwiebeln zum Nutzen des Waisenhauses
öffentlich für 90 000 fl. verkauft worden sind. Die Harlemer waren auf den Tulpenhandel
so erpicht, daß sie damals allgemein die „B l u m i st e n" genannt wurden.
Ein Mann gewann in wenigen Wochen 60 000 fl.; viele reiche Häuser wurden
aber auch zugrunde gerichtet.
Während ein paar Jahren wurden in einer einzigen Stadt von Holland mehr
als 10 Millionen für Tulpen umgesetzt. Das ganze schwindlerische Börsenspiel war
schon damals, im 17. Jahrhundert mit all seinen Pfiffen und Kniffen im Schwung.
Die Aktie hieß damals „Tulpe"; das war der ganze Unterschied.
Aus der großen Anzahl von komischen Anekdoten, welche aus jener Zeit aufbewahrt
wurden, wollen wir nur zwei hervorheben. Ein Kaufmann hatte eine Tulpen-