164 Zweiter Teil. Handel. VI. Handlungsgehilfe und Handlungslehrling.
haft fein. Diese Gebundenheit wird dadurch noch unangenehmer, daß der fremde
Kaufmann, der nicht in der Lage ist, seinem Angestellten in die Karten zu sehen, es
doch sehr oft nicht verhindern kann, daß dieser ihm in die Karten sieht.
Dazu kommen endlich als ein weiteres Moment, das dem chinesischen Angestellten
in China eine ganz besondere Stellung verschafft, die Währungsverhältnisse des
Landes. China hat bekanntlich eigentlich Kupferwährung. Im Großhandel ver
bietet es sich jedoch, mit den einzigen geprägten Münzen des Landes, den bekannten
durchlochten kupfernen Käfch, die nur einen Wert von %, Pfg- haben, zu arbeiten. Im
Großhandel tritt daher ein Rechnungsgeld — der früheren M Banko in Hamburg
vergleichbar — ein, nämlich ein bestimmtes Gewicht Silber von bestimmter Feinheit.
Dieser sog. Tael oder Liang (d. h. Unze), der täglich im Kurse sowohl dem Kupfer
als auch dem Golde gegenüber schwankt, ist also nicht ausgeprägt, sondern nur vor
gestellt, wird daher auch nicht gezählt, sondern gewogen. Er kommt in Sycee
genannten, schuhartig gegossenen Stücken Silber, auf denen eine öffentliche Prüfungs
behörde, der Kungku, den jedesmaligen Feingehalt in chinesischen Schriftzeichen mit
Tuschpinsel vermerkt, auf den Markt; von ihnen werden im Gebrauch beliebige Stücke
abgehackt: eine Wage ist daher für den chinesischen Großkaufmann unentbehrlicher
als ein Portemonnaie. Diese zwar urwüchsigen, doch nicht gerade einfachen Verhält
nisse werden noch dadurch stark kompliziert, daß die Rechnungseinheit des Taels nicht
nur in verschiedenen Provinzen, sondern auch an verschiedenen Orten innerhalb der
selben Provinz, ja sogar am selben Orte oft verschieden ist, und daß in Verbindung
damit die Kompetenz des Kungku vielfach enge territoriale Grenzen hat. Um das
bunte Bild zu vervollständigen, fei noch erwähnt, daß die Ausländer untereinander,
sowie im Kleinhandel mit Chinesen in den chinesischen Vertragshäfen sich überwiegend
eingeführter Silbermünzen bedienen, die auch nur nach ihrem Metallwerte ange
nommen und vom Chinesen vielfach ebenso wie das ungemünzte Sycee-Silber
behandelt werden. Das waren früher spanische Karolus-Taler; das find heute in
buntem Gemisch mexikanische Dollars, britische Dollars aus Bombay, japanische Pen
und eine immer wachsende Menge vielfach unterwertiger Dollars mannigfacher
chinesischer Prägung. Solche Verhältnisse sagen zwar dem phlegmatischen Rechen
gemüt eines Chinesen zu, der das Wirrfal zu einer nie versagenden Quelle kleiner
Profite zu machen weiß; sie machen es aber dem fremden Kaufmann begreiflicher
weise unmöglich, sich mit der Einkassierung, mit der beständigen sorgsamsten Kontrolle
des Feingehalts und des Gewichts jedes Stückchen Silbers zu befassen, zu der eine
genaue Kenntnis chinesischer Schriftzeichen und chinesischer Geschäftsmanipulationen
gehört, die er nicht besitzt, auch nicht ausreichend sich zu beschaffen vermag. So fällt
notwendigerweise das Kassa- und Rechnungswesen innerhalb des Geschäfts eines
fremden Kaufmanns zum großen Teile dem Komprador zu oder dem ihm unterstellten
sog. Schroff, der besonders mit der Verwaltung der Kaffe beauftragt ist, und für den
fremden Kaufmann löst sich die ursprüngliche Buntheit auf in eine Reihe einfacher
Forderungen an den Komprador und in die Sorge, diese nie zu solchem Umfang
anschwellen zu lassen, daß sie nicht mehr durch die Kaution des Kompradors gedeckt
sind. Aber auch hier wird die Bequemlichkeit nur erkauft durch eine Minderung der
wirtschaftlichen Machtstellung.
So vereinigt sich in den Händen des Kompradors, unter dem Zwange der Ver
hältnisse, eine große Machtfülle. Der chinesische Angestellte verwaltet selbständig die
Geschäftskasse des fremden Kaufmanns und tritt persönlich ein für alle Forderungen
desselben gegen chinesische Landsleute, er verkörpert in seiner Person alle Beziehungen
der fremden Firma zu ihren chinesischen Kunden und führt mit diesen, nur unzureichend
kontrolliert, alle Verhandlungen; er hat fast unbeschränkte Herrschaft über alle chine
sischen Angestellten seines Chefs und erfreut sich — selbst vor Überwachung ziemlich