Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

2.  Kaufmännische  Auskunftsbureaus.

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bei  denen  ergänzende  Nachfragen  über  die  Kreditnehmer  gehalten  werden;  dabei
ist  die  Auskunftsanstalt  durchaus  in  der  Lage,  deren  Aussagen  nach  ihrem  Werte
abzuschätzen,  während  dies  dem  einzelnen  Geschäftsmanne  nur  selten  möglich  zu
sein  pflegt.
Endlich  aber  vermag  die  berufsmäßige  Auskunftserteilung  mit  dem  Kreditnehmer ­
  selbst  über  seine  Verhältnisse  zu  verhandeln  und  sich  ihm  zur  Entgegennahme ­
  der  Aufschlüsse  zur  Verfügung  zu  stellen,  die  er  über  sich  geben  will.  Daß
er  dies  tun  kann,  und  daß  er  namentlich  da,  wo  er  sich  unrichtiger  Beurteilung
ausgesetzt  fühlt,  sicher  sein  darf,  durch  rechtzeitige  Aufklärung  der  größeren  Auskunftsanstalten ­
  einer  ungünstigen  Beeinflussung  seines  Kredits  wirksam  vorzubeugen,  gehört ­
  zweifellos  zu  den  besten  Seiten  der  berufsmäßig  organisierten  Krediterkundigung,
durch  die  auf  diesem  Gebiete,  auf  dem  früher  nur  einseitig  abgeurteilt  wurde,  dem
Grundsatz  „auckiatur  et  altera  pars“  Eingang  verschafft  ist.
Mit  diesen  Grundzügen  einer  ihrem  Gegenstand  unmittelbar,  sozusagen  direkt
ins  Auge  sehenden,  gründlichen  und  umfassenden  Erkundigung  ist  die  Auskunftsbeschaffung ­
  ein  ganz  neues  System  geworden  und  die  Auskunft  selbst  auf  ein  völlig
anderes  höheres  Niveau  hinaufgerückt  worden.  War  die  Auskunft  früher  ohne
viel  Umstände  kurz  empfehlend  oder  absprechend,  im  großen  und  ganzen  aufs
Geratewohl  gegeben,  so  ist  sie  heute  zu  einem  Spiegelbild  geworden,  das  im  wesentlichen ­
  tatsächliche  Angaben  enthält,  und  zwar  oft  bis  in  die  kleinsten  Einzelheiten
hinein,  bei  denen  Licht  und  Schatten  in  immer  feinerer  Nüancierung  wiedergegeben
sind.  Auf  diesem  Wege  ist  die  Auskunftserteilung  als  selbständiger  Beruf  zu  einer
Kunst  geworden.
In  jeder  guten  Auskunftei  müssen  die  Angestellten  erst  ein  längere  Schulung
durchmachen,  ehe  sie  zu  selbständigen  Arbeiten  zugelassen  werden,  und  auch  dabei
wird  es  immer  schwer  bleiben,  die  richtigen  Leute  zu  gewinnen  und  heranzuziehen,
d.  h.  Leute,  die  es  verstehen,  Angaben  auf  ihren  wahren  Wert  zu  prüfen  und  jede
Zeile  so  niederzuschreiben,  daß  sie  sowohl  den  vorhandenen  Unterlagen  mit  ihren
vielfachen  Differenzierungen  entspricht,  als  auch  mit  dem  sonstigen  Inhalt  der  Auskunft ­
  streng  übereinstimmt;  dabei  müssen  sie  einer  dreifachen  Verantwortung  gerecht
werden:  gegenüber  dem,  über  den  Auskunft  erteilt  wird,  gegenüber  dem  Empfänger
der  Auskunft  und  gegenüber  dem  Auskunftsbureau  selbst.
Zahlreiche,  aus  der  Erfahrung  gewonnene  Regeln  geben  die  Anleitung  zu
dieser  Arbeit,  aber  wie  kein  Mensch  dem  anderen,  kein  Blatt  dem  anderen  gleicht,
so  hat  auch  jede  einzelne  Auskunft  ihre  Eigenart  und  will  für  sich  gesondert  behandelt ­
  sein.
Pessimisten  oder  Optimisten  sind  im  Dienste  der  Auskunfteien  unbrauchbar,
denn  beide  sind  in  Vorurteilen  befangen;  in  jedem  schwierigen  Falle  kommen  beide
zu  anderer  Ansicht  als  ein  Mann  von  unvoreingenommenem  Urteil.  Zwar  ist  es
im  allgemeinen  gleich  leicht,  —  die  Gegensätze  berühren  sich  auch  hierbei  —  einerseits ­
  über  notorische  Schwindler  und  über  in  offenem  Vermögensverfall  befindliche
Geschäfte  und  andererseits  über  allbekannte  Weltfirmen  Auskunft  zu  geben,  denn
bei  beiden  Gattungen  steht  das  Krediturteil  fest,  und  selbst  größere  Fehler  in  den
Details  vermögen  es  nicht  oder  nur  nebensächlich  zu  beeinflussen:  aber  zwischen
diesen  beiden  Gruppen  liegt  die  große  Menge  der  sich  tausendfältig  voneinander
unterscheidenden  Geschäfte,  die  in  ihren  Verhältnissen  stetig  wechseln,  und  die  oft
sehr  schwer  zu  beurteilen  sind.  Gerade  bei  den  Auskünften  über  diese  Menge  hat
sich  der  Korrespondent,  der  Rechercheur,  und  der  Redakteur  als  Meister  zu  zeigen,
und  da,  wo  sich  die  Leitung  einer  Auskunftei,  die  selbst  die  Meisterschaft  betätigt,
auf  eine  ausreichende  Zahl  von  solchen  ersten  Kräften  stützen  kann,  da  ist  der
Geschäftswelt  eine  Kreditware  erbaut,  die  dem  Kreditgeber  nicht  bloß  Warnungs ­
            
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