Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

6. Die Konsumvereine. 
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befinden. Er befähigt die Arbeiter zur Verwaltung und bietet auch manche wertvolle 
Handhabe, um auf die Gestaltung des Arbeitsverhältnisses selbst einzuwirken. Bei 
der Wahl der Geschäfte, denen die Konsumvereine ihre Aufträge erteilen, kann auf 
die Stellung der Arbeiter in diesen Geschäften Rücksicht genommen werden. Was 
einer Staats- oder Kommunalbehörde in dieser Beziehung zugemutet werden kann, 
trifft auch für Konsumgenossenschaften im allgemeinen zu. Ja, es ist sogar in hohem 
Maße wünschenswert, daß diese Organisationen den Konsumenten ihre Verantwort 
lichkeit für die Arbeitsbedingungen zum klaren Bewußtsein bringen. Wesentlich 
erleichtert wird die Technik des Einkaufes, wenn die unter „anständigen" Arbeitsbe 
dingungen hergestellten Waren durch besondere Etikette (Label) der beteiligten Ge 
werkschaften kenntlich gemacht werden. In den Vereinigten Staaten hat dieses 
System bereits große Fortschritte aufzuweisen. 
Haben die Konsumvereine eine größere Ausbreitung erlangt, so ist es zweck 
mäßig, wenn die Vereine zu einer Großhandelsgenossenschaft zusammentreten. Wie 
der einzelne Konsumverein seine Mitglieder von den Diensten und Preisaufschlägen 
des kleinen Detailhändlers befreit, so macht die Großhandelsgenossenschaft die Vereine 
von der Vermittlung des Großhandels unabhängig. Unmittelbare Beziehungen zu 
den Produzenten werden angeknüpft, ja unter Umständen eigene Produktionsbetriebe 
eröffnet. Die Erfahrung lehrt, daß Großhandelsvereinigungen dort, wo es sich um 
qualitativ wenig differenzierte, einem ständigen Bedarfe entsprechende Massengüter 
handelt, die Produktion mit Erfolg betreiben können. 
Wenn man den Konsumvereinen vorwirft, daß sie den Kleinhandel zugrunde 
richten oder mindestens empfindlich schädigen, so läßt sich nicht leugnen, daß große 
Fortschritte der Bewegung diese Wirkung hervorrufen. Trotzdem kann es von einem 
allgemeinen Standpunkte aus nicht gerechtfertigt werden, wenn der Versuch unter 
nommen wird, die Konsumvereine deshalb durch Sondersteuern oder Boykottierung 
zu unterdrücken. Namentlich im Deutschen Reiche, wo teils durch hohe Zölle, teils 
durch die immer mächtiger werdenden Kartelle eine schwere Bedrohung der Konsu 
menteninteressen besteht, läßt sich viel eher eine Beförderung als eine Erschwerung 
der Konsumvereine aus allgemeinen Erwägungen befürworten. Die Vereine stellen 
eine vollkommenere Organisation des Verteilungsgeschäftes dar und müssen ebenso 
sehr als wirtschaftlicher wie als sozialer Fortschritt gewürdigt werden. Je weniger 
objektiven Aufwand die Verteilung in Anspruch nimmt, desto mehr Kräfte bleiben 
der Produktion erhalten, und desto reichlicher kann die Güterversorgung überhaupt 
ausfallen. Der Stand der kleinen Krämer hat ebensowenig ein unantastbares Recht 
auf die Erhaltung seiner Erwerbsgelegenheit, als es Handwerker und Arbeiter besitzen, 
denen die Einführung von Maschinen die Beschäftigung entzieht. Da überdies die 
Entfaltung der Konsumvereine sehr allmählich vor sich geht, so besitzt der Kleinhandel 
ausreichende Zeit, um diesen Veränderungen Rechnung zu tragen. 
Ein anderer Vorwurf, der namentlich von Ferdinand Lassalle den Konsum 
vereinen gemacht wurde, ging dahin, daß sie nicht imstande seien, der Arbeiterklasse 
eine tatsächliche Verbesserung zu verschaffen, weil im Verhältnisse zu der von ihnen 
bewirkten Verbilligung der Lebenshaltung auch die Löhne heruntergehen würden. 
Die Beobachtung zeigt aber, daß die Konsumvereine in noch höherem Grade, als sie 
die Lebensmittel verbilligen, die Lebensansprüche der Arbeiter steigern. Die Arbeiter 
geben infolge der Konsumvereine in der Regel nicht weniger für Lebensmittel aus, 
sie konsumieren mehr und vor allem in besserer Qualität. Weit entfernt, den stunckurck 
vk life herunterzudrücken, tragen sie gerade viel zur Verfeinerung des Geschmackes 
und Erhöhung der Bedürfnisse bei. Im übrigen würde selbst dann, wenn die Kon 
sumvereine eine absolute Verminderung der Ausgaben für Lebensmittel bewirken 
sollten, ein Sinken des Lohnes wenigstens nicht für diejenigen Arbeiter eintreten,
	        
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