Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

212 Zweiter Teil. Handel. VIII. Der Wettbewerb im Handel rc. 
waren, daneben kleinere Gegenstände für den täglichen Bedarf. Besonders viele 
Hausierer wohnen in der Stadt Linnich im Kreise Jülich und den umliegenden 
Dörfern. 
Das Wirtschaftsleben des Westerwaldes erhält von jeher sein Gepräge durch 
das Hausierer- und Landgängertum. In Betracht kommen landwirtschaftliche 
Hausierer für Vieh, in der Hauptsache Juden, für Landesprodukte aller Art, ferner 
die Nothausierer (Kietzeleute und Puckelkrämer), die Armenunterstützung in Form 
eines Wandergewerbescheines erhalten, Jrdengefchirrhändler, Lumpensammler, ge 
nannt Meckeser, und einige Kolporteure. Die Westerwälder „Landgänger" handelten 
früher u. a. mit Erzeugnissen des Kannenbäckergewerbes (Geschirr), Holz- und 
Galanteriewaren; in der Hauptsache waren sie Musiker, Gaukler und Bettelleute. 
Heute gibt es wenig Hausierartikel, die von den Westerwäldern nicht geführt werden. 
— Die sauerländischen Hausierer, welche man überall in Deutschland und vielfach 
im Auslande trifft, nehmen an Zahl von Jahr zu Jahr ab. 
Der Hausierhandel der Eichsfelder ist wieder auf die äußerst ungünstigen 
Bodenverhältnisse daselbst zurückzuführen. Vertrieben werden Erzeugnisse der Haus 
textilindustrie sowie verschiedene gekaufte Waren. 
In Merxhausen am Solling (Herzogtum Braunschweig) lebt seit Generationen 
etwa die Hälfte der Einwohner von dem Hausierhandel mit Leinen- und Baumwoll- 
waren, früher selbst hergestellten, jetzt Fabrikware; das in demselben Lande gelegene 
Hohegeiß, der höchste Ort auf dem Harze, nährt sich in größerem Maße vom Hausier 
handel, der, aus der Holzindustrie hervorgegangen, sich heute auch auf verschiedene 
andere Waren erstreckt. Der Hausierhandel von Benneckenstein im Harze ist ent 
standen aus der dortigen Nagelschmiederei und Holzwarenindustrie. Heute wird 
„Handel mit allen zulässigen Gegenständen", wie es teilweise auf den Hausierscheinen 
heißt, betrieben. 
In Bardowiek, Flecken im Landkreise Lüneburg, befassen sich etwa 160 Personen 
mit Samen-Hausierhandel. 
Das Herzogtum Oldenburg ist ein günstiger Boden für den Gewerbebetrieb im 
Umherziehen, und zwar infolge des Besteuerungssystems: vor allem spielen hier aber 
die Besiedelungsverhältnisse eine große Rolle. Man findet in Oldenburg Hausierer 
aus allen Gegenden Deutschlands. 
In den deutschen Großstädten ist der Hausierhandel in bedeutendem Umfange 
Straßen- und Wirtshaushandel in Verbindung mit Bettel und unsittlichem Lebens 
wandel. 
Von ausländischen Hausierern sind besonders zu nennen die italienischen Gips 
figurenhändler, die sich truppweise in den deutschen Großstädten niederlassen und die 
von ihren „Meistern" dortselbst verfertigten Figuren vertreiben, und die „Slovaken", 
aus Österreich und den Donauländern stammende Händler mit Blechwaren und 
Mäusefallen, die auch ihre Dienste als Topfstricker anbieten. 
Dem Hausierer verwandt, im Einzelfalle zuweilen von ihm nicht zu unter 
scheiden, ist der D e t a i l r e i s e n d e. Im Dienste einer ansässigen Handelsfirma 
stehend, sucht er für diese bei Privaten Bestellungen auf die von ihr vertriebenen 
Waren auf. Die Waren selbst führt er im allgemeinen (Ausnahmen u. a. Goldwaren, 
Edelsteine, Uhren) nicht mit sich, sondern nur Proben. Besonders viel Detailreisende 
werden verwandt im Handel mit Wein, Leinwand (Bielefeld), Nähmaschinen, Herren 
anzügen, besonders Uniformen, und Zigarren. 
Zum Schutze des seßhaften Handels ist der Detailreisehandel ebenfalls durch die 
Gewerbeordnung gewissen Beschränkungen unterworfen. Zum Schutze des Detail 
reisehandels andererseits hat sich ein Zentralverband gebildet, der seinen Sitz in 
Bielefeld hat, jedoch mit seiner Tätigkeit wenig an die Öffentlichkeit getreten ist.
	        
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