Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Zweiter  Teil.  Handel.  X.  Die  Börse.

X.  Die  Börse.

Vorbemerkung,  v.  Philippovich,  Grundriß  der  politischen  Ökonomie.  2.  Bd.
2.  Teil.  3.  Ausl.  Tübingen,  I.  C.  B.  Mohr  (Paul  Siebeck),  1907.  S.  161:  „Börsen
sind  Märkte,  an  denen  Geschäfte  über  Waren  abgeschlossen  werden,  die  auf  dem  Markte  nicht
vorhanden  sind,  die  auch  nicht  konkret  und  individuell  bestimmt  sind,  so  daß  also  ein  Kauf
und  Verkauf  gewisser  Quantitäten  von  Waren,  die  nur  ihrer  Art  nach  bekannt  sind,  erfolgt.
Solche  Geschäfte  setzen  natürlich  voraus,  daß  die  Ware,  um  die  es  sich  handelt,  so  geartet  ist,
daß  ihre  einzelnen  Quantitäten  der  Qualität  nach  vollkommen  gleich  sind,  so  daß  sie  sich  gegenseitig ­
  vertreten  können.  Man  nennt  daher  die  Börse  auch  den  Markt  für  vertretbare  Tauschgüter ­
  (Ehrenberg).  Solche  Warenarten  gibt  es  auf  dem  Gebiete  der  Rohstoffe,  Halbfabrikate
und  nichtdifferenzierten  Genußgüter  (Getreide,  Baumwolle,  Eisen,  Zucker,  Spiritus)  und  auf
dem  Gebiete  der  Wertpapiere  (Staatsschuldverschreibungen,  Aktien,  Zahlungsmittel)  .  .  .  .
Man  pflegt  Wertpapier-  (Effekten-  oder  Fonds-)  Börsen  und  Waren-(Produkten-)
  Börsen  zu  unterscheiden,  entsprechend  den  beiden  Hauptgruppen  von
börsenfähigen  Waren.  Auf  der  Wertpapierbörse  werden  Aktien,  Staatspapiere  und  Schuldverschreibungen, ­
  Pfandbriefe,  Wechsel,  Banknoten,  Papiergeld,  Münzen  und  Edelmetalle  gehandelt, ­
  auf  den  Warenbörsen  die  verschiedenen  Sachgüter,  welche  den  börsenmäßigen  Handel
zulassen,  wobei  dann,  wenn  sich  der  Handel  auf  die  eine  oder  andere  dieser  Güterarten  beschränkt, ­
  die  Warenbörse  selbst  ihren  besonderen  Namen  danach  erhält:  Getreide-,  Spiritus-,
Zucker-,  Kaffee-,  Baumwollbörse.  Es  ist  aber  nicht  notwendig,  daß  diese  beiden  Gruppen  von
Börsen  auseinanderfallen  und  getrennt  nebeneinander  bestehen."  —  G.  M.

1.  Die  Börse  nach  Iola.
Von  Gustav  Cohn.

Cohn,  Zur  Börsenreform.  In:  Beiträge  zur  deutschen  Börsenresorm.  Leipzig,
Duncker  &  Humblot,  1895.  S.  3—6.
Emile  Zola  hat  in  einem  seiner  Romane  mit  der  ihm  eigenen  „wissenschaftlichen" ­
  Methode  die  Wirklichkeit  der  Börse  bis  in  die  intimen  Einzelheiten  ihrer
Technik  hinein  zu  schildern  versucht.  Im  Mittelpunkte  steht  eine  jener  Spekulantennaturen, ­
  deren  Talent  nicht  sowohl  in  der  schöpferischen  Kraft  fruchtbringender  Gedanken ­
  als  in  der  produktiven  Ausbeutung  fremder  Ideen  sich  entfaltet;  in  der
Virtuosität,  mit  der  man  ein  neues  Projekt  in  Szene  setzt,  Meinung  dafür  macht,
Anhänger  und  Kapitalien  heranzieht,  die  Hoffnung  nährt,  die  Erwartungen  steigert,
um  dann  zuletzt,  wenn  am  Ende  alles  zusammenbricht,  aus  der  Vernichtung  immer
wieder  emporzusteigen  zu  neuen  Spekulationen  und  neuen  Erfolgen.
In  einem  Momente  des  tiefen  Sturzes  lernen  wir  den  Helden  von  Zolas
Roman  kennen:  schon  nach  wenigen  Wochen  steht  er  an  der  Spitze  einer  „Uunque
Universell«",  welche,  kirchliche  und  lukrative  Zwecke  verknüpfend,  die  Kultur  des
Gelobten  Landes  im  großen  Stile  durchführen  soll.  Die  Verwertung  des  religiösen
Elementes  bei  der  Gründung  dieses  Unternehmens  ist  nur  ein  Stück  in  dem  Zusammenhange ­
  mannigfaltiger  Kunstgriffe  der  Täuschung  und  des  Betruges.  Der
ganze  Kreis  der  Persönlichkeiten,  welcher  sich  um  die  Hauptfigur  zu  dem  großen
Unternehmen  zusammenschließt,  enthält  fast  ohne  Ausnahme  Leute  von  ähnlicher
Anrüchigkeit.  Der  einzige  anständige  Mensch  ist  bezeichnenderweise  der  Erfinder
der  Idee,  —  der  Ingenieur,  welcher  aus  seiner  früheren  Tätigkeit  in  der  Levante
die  Überzeugung  von  dem  Bedürfnisse  neuer  Verkehrsmittel  für  das  ferne  Land
            
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