Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

260  Zweiter  Teil.  Handel.  XI.  Geldwesen  und  Kapitalismus.

mit  134  000  kg,  worauf  bis  zum  Jahre  1908  ein  Rückgang  auf  110  333  kg  eintrat.
In  den  Vereinigten  Staaten  lieferte  namentlich  Kolorado  große  Quantitäten  und
verdrängte  Kalifornien  aus  der  ersten  Stelle;  in  Australien  war  es  namentlich  die
feit  dem  Beginn  der  neunziger  Jahre  sich  rapid  entwickelnde  Produktion  Westaustraliens, ­
  welche  den  Gesamtertrag  dieses  Kontinents  so  beträchtlich  anschwellen
ließ.  Von  der  Mitte  der  neunziger  Jahre  an  hielt  die  Goldgewinnung  dieser  beiden
Produktionsgebiete  mit  der  sich  rasch  weiter  entwickelnden  Goldausbeute  Südafrikas
nahezu  gleichen  Schritt.  Nachdem  dann  die  Folgen  des  Burenkrieges  überwunden
waren,  überflügelte  Südafrika  rasch  die  übrigen  Produktionsländer.  Im  Jahre  1908
hatte  Südafrika  eine  Goldproduktion  von  700  Millionen  Jl;  es  folgten  die  Vereinigten ­
  Staaten  mit  397  Millionen  Jl  und  Australien  mit  307  Millionen  Jl.  An
vierter  Stelle  kam  Rußland,  dessen  Goldgewinnung  gegen  Ende  der  achtziger  Jahre
ihren  Rückgang  gleichfalls  unterbrochen  und  sich  in  den  neunziger  Jahren  auf  einer
ansehnlichen  Höhe  gehalten  hatte;  seine  jährliche  Produktion  erreichte  ihren  höchsten
Stand  im  Jahre  1895  mit  121  Millionen  Jl,  sie  erlitt  in  den  folgenden  Jahren
lebhafte  Schwankungen  und  wird  für  1908  auf  118  Millionen  Jl  berechnet.
Diese  unerwartete  Steigerung  der  Goldproduktion  in  den  alten  Goldländern  ist
in  der  Hauptsache  durch  technische  Fortschritte  im  Goldbergbau  und  in  der  Aufbereitung ­
  des  Goldes  erzielt  worden.  Diese  technischen  Verbesserungen  der  metallurgischen ­
  Methoden  haben  nicht  nur  die  gründlichere  Ausbeutung  der  bereits  bekannten ­
  Goldlager,  die  Wiederaufnahme  von  Bergwerken,  deren  Betrieb  wegen  Unergiebigkeit ­
  eingestellt  worden  war,  und  die  Ausbeutung  von  Rückständen  aus  der
Goldproduktion  früherer  Zeiten  gestattet  und  so  die  Goldgewinnung  der  alten  Produktionsländer ­
  auf  eine  auch  in  der  Periode  der  raschen  Ausbeutung  reicher
Schwemmlande  nie  erreichte  Höhe  gebracht:  sie  haben  vielmehr  auch  zu  einem  großen
Teile  die  Voraussetzung  für  einen  lohnenden  Abbau  der  neu  entdeckten  Goldlager
gebildet.  Die  Goldproduktion  des  Transvaal  wäre  ohne  diese  technischen  Fortschritts
niemals  auch  nur  entfernt  zu  ihrer  Höhe  gelangt;  der  Bergbau  am  Rande  ist  in
seinem  großen  Umfange  erst  dadurch  lohnend  geworden,  daß  die  Verbesserungen  des
technischen  Verfahrens  die  Ausbeutung  von  Quarz  ermöglichen,  der  pro  t  nur
wenige  g  Gold  enthält.
Die  neueste  und  glänzendste  Epoche  der  Goldgewinnung  unterscheidet  sich  mithin
dadurch  von  allen  früheren,  daß  sie  nicht  auf  der  Entdeckung  neuer,  leicht  auszubeutender ­
  Goldfelder  in  Schwemmlanden  beruht,  sondern  auf  dem  Fortschritte  der
metallurgischen  Methoden.  Während  in  den  früheren  Perioden  einer  ungewöhnlich
starken  Goldproduktion  weitaus  der  größte  Teil  des  neuen  Goldes  aus  Schwemmlanden ­
  gewonnen  wurde,  —  so  war  es  im  Altertum,  so  war  es  zur  Zeit  der  spanischen
Eroberungen  in  Amerika  und  später  in  der  Zeit  der  brasilianischen  und  kalifornischaustralischen
  Goldfelder  —  stammt  heute  der  beträchtlich  überwiegende  Teil  der
Goldförderung  aus  dem  Gangbergbau.  Die  goldhaltigen  Schwemmlands  sind  fast  in
allen  wichtigen  Produktionsländern  —  die  bedeutsamste  Ausnahme  ist  Sibirien  —
abgebaut;  so  namentlich  in  Kalifornien  und  Australien,  den  Ländern  der  ehemals
reichsten  Alluvien.  In  Kalifornien  und  den  übrigen  goldproduzierenden  Staaten  der
Union  liegt  heute  der  Schwerpunkt  der  Goldgewinnung  im  Quarzbergbau,  das  gleiche
gilt  von  Australien.  In  Südafrika  kam  von  Anfang  an  fast  nur  Quarzgold  in
Betracht.  Auch  in  Sibirien  stammt  das  Gold  nicht  aus  oberflächlichen  Ablagerungen,
sondern  aus  sog.  Diluvialschichten,  die  20  und  mehr  Fuß  unter  der  Erde  liegen,
ebenso  verhält  es  sich  in  Australien,  soweit  Schwemmlands  neben  dem  Quarzbergban
in  Betracht  kommen.
Rach  einer  Denkschrift,  die  der  Geheime  Oberbergrat  Dr.  Hauchecorne  im
Jahre  1894  für  die  Deutsche  Silberkommission  ausgearbeitet  hat,  kamen  damals  schon
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.