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Zweiter Teil. Handel. XI. Geldwesen und Kapitalismus.
4. Der Silberbergbau in Mexiko.
Von Hermann Paasch e.
Paasche, Kultur- und Reiseskizzen aus Nord- und Mittel-Amerika. Magdeburg, Albert
Rathke, 1894. S. 306—310.
So wie in Mexiko der Landbau vielfach noch in der alten Weise mit dem
uralten, hölzernen Pflug, dem Holzbalken als Egge, dem zweiräderigen hölzernen
Karren und dem Ochsenjoch betrieben wird, so ist auch der Silberbergbau vielfach
noch mit den alten Arbeitsweisen und Geräten üblich, wie sie vor nahezu 400 Jahren
ausgebildet wurden. Großartige Schachtanlagen, Fördermaschinen und Pumpwerke
sind noch in der verschwindenden Minderheit, und es gibt noch immer ausgedehnte
Gruben, auf denen das schwere Erz auf dem Rücken der Peonen sd. i. der Tagelöhners
an das Tageslicht gefördert wird auf Leitern, die nichts sind als Holzstämme,
in welche tiefe Einschnitte gemacht sind, um den nackten Füßen der Indios
Halt zu bieten.
Die Schächte sind gewöhnlich nicht tief, der Wasserzufluß kann recht oft mit
Handpumpen bewältigt werden, die Kohlen sind übermäßig teuer, — 10 Dollars pro t
— und die Maultiere und Esel, die man zum Transport derselben zu den unzugänglichen
Minen gebrauchen würde, können viel vorteilhafter zum Drehen der Göpel
und Seilwerke verwendet werden, mit denen man die Förderung besorgt.
So steigen denn die Bergleute noch recht häufig, selbst in großen Minen, auf
den alten Holzleitern in die Tiefe, Talglichte dienen ihnen zur Erleuchtung der
düsteren Gänge, von einem Verzimmern ist bei der Festigkeit des Gesteins keine
Rede, und an Ventilation oder dergleichen denkt niemand.
Das Erz wird in rohe Ochsenhäute geschüttet, die mit Riemen und Stricken
zusammengeschnürt werden, und an langen, mächtigen Seilen windet man durch
Göpelbetrieb die mit etwa 3 Zentnern Erz gefüllten Tierbälge herauf, um sie dann
in kleinen Eisenbahnwagen aus dem horizontal verlaufenden Stollen ans Tageslicht
zu befördern, — eine höchst primitive, aber, wie man behauptei, oft noch recht
lohnende Arbeitsweise, da es sich bei so wertvollem Rohstoff immer nur um verhältnismäßig
kleine Mengen handelt und für deren Bewältigung vervollkommnete Beförderungsmittel
keineswegs immer vorteilhaft sind.
Maultiere und Esel nehmen das Erz, wenn es beim Schacht zerschlagen und
gewaschen und nach seiner Güte ausgesucht ist, auf den Rücken und schleppen ihre
Karga, gleich 3 Zentner, auf den miserabelsten Saumpfaden zu Tal zur hacienda
de beneficio, zur Hütte.
Drahtseil- oder Feldbahnen anzulegen, ist bei der Zerklüftung des Terrains nur
selten möglich, und die armen Langohren sind bei ihrer bekannten Genügsamkeit und
Zähigkeit immer noch die billigsten Transportmittel. Man braucht ihretwegen nicht
einmal den Weg anzulegen oder zu verbessern, sie klettern über Stock und Stein,
bergauf, bergab, und schaut man von einem freien Platze der Stadt zu den Bergen
hinauf, so sieht man allenthalben diese unentbehrlichen Lasttiere in langen Reihen an
den Hängen herumklettern und das edle Metall zu Tal schleppen.
Die haciendas de beneficio sind meist am fließenden Wasser am Abhang
gelegen: aus den alten Zeiten der ladrones her noch mit hohen Mauern, Türmen
und Schießscharten versehen, gleichen sie kleinen mittelalterlichen Festungen, und
mittelalterlich ist auch die Art und Weise, wie in den älteren von ihnen noch immer
gearbeitet wird.
Das Erz kommt zuerst in große, alte Mühlen, um es oberflächlich zu zerkleinern.
Drei Pferdchen ziehen, im engen Kreise herumlaufend, direkt an dem Balken, um den