300
Zweiter Teil. Handel. XII. Bankwesen.
diese Formen der Kapital- und Machtkonzentration verschaffen dem Zentralinstitut
eine genauere Übersicht über die allgemeine Lage der Industrie und die jeweiligen
Bedürfnisse und Konjunkturen der einzelnen Industriezweige, ferner eine eingehende
Kenntnis der Vermögenslage, Kredit- und Vertrauenswürdigkeit eines umfangreichen
Kundenkreises, und zwar beides auf Grund sachkundiger und objektiver Berichte
solcher Auskunftsstellen, welche einerseits mit den örtlichen Verhältnissen genau ver
traut, andererseits mit dem Zentralinstitut eng verknüpft und befreundet sind.
Dagegen ist im bisherigen Verlauf der Konzentrationsbewegung eine
Verringerung der Geschäfts - und Verwaltungskosten, die sich
vielfach bei ausländischen Trusts und trustartigen Zusammenschlüssen erzielen ließ, in
Deutschland nicht erreicht worden; vielmehr ist im allgemeinen sowohl der absolute
Betrag der Geschäftsunkosten als deren Verhältnis zum Bruttogewinn auch bei den
jenigen deutschen Banken, die im Vordergründe der Konzentrationsbewegung
standen, fast ununterbrochen g e st i e g e n.
Was die Gefahren angeht, die mit der Konzentrationsbewegung im Bank
gewerbe verbunden fein können, so kann folgendes festgestellt werden:
Im Geschäftsverkehr mit dem Publikum, also im laufenden
Geschäft, hat sich bisher die an sich bei dem Umfange der Konzentration nahe
liegende monopolistische Tendenz noch in keiner Weise gezeigt; vielmehr
haben die Banken in ihrem bisherigen Konkurrenzkämpfe, sogar unter Überschreitung
wirtschaftlich angemessener Grenzen, gegen die niedrigsten Provisionen, die je im
deutschen Bankwesen üblich gewesen sind, die größten Dienstleistungen und Verantwort
lichkeiten übernommen. Dagegen liehen sich Ansätze zu solchen monopolistischen Ten
denzen allerdings bereits erkennen auf dem Gebiete des Wettbewerbs gegen
über den Privatbankiers und außerdem im Bereiche des Emiffions - und Sub
missionswesens, sowie bei der Konkurrenz um die Übernahme
von öffentlichen Anleihen oder von Werten öffentlicher oder
privater Unternehmungen.
Ferner kann nicht verkannt werden, daß die als Begleiterscheinung der Kon
zentrationsbewegung im deutschen Bankwesen aufgetretene starke Schädigung auch
der soliden und lebenskräftigen Elemente des mittleren und kleinen Pri
vatbankier st andes eine weitere Schattenseite jener Konzentrationsbewegung
bildet. Dieser Niedergang ist durch eine fehlerhafte Börsen- und Stempelgesetzgebung
nur verschärft und beschleunigt, durch die Konzentrationsbewegung aber im wesent
lichen hervorgerufen worden.
Was die Bankbeamten betrifft, so hat sich im Verlaufe der Konzentrations
bewegung sowohl die Zahl der Abhängigen wie das Verhältnis der in großen Be
trieben tätigen zu den in mittleren und kleinen Betrieben beschäftigten Angestellten
stark vermehrt, ein Vorgang, der sich auch auf anderen Gebieten gezeigt hat.
Was die Leiter der Großbanken angeht, welche unter Umständen die Ge
schäftspolitik ganzer Gruppen nach einheitlichen Gesichtspunkten zu bestimmen haben,
und von denen es in erster Linie abhängt, ob diese Geschäftspolitik nicht lediglich auf
eine Dividendenpolitik hinausläuft, so wird es mit dem Wachstum der Unter
nehmungen und dem Untergang so vieler bedeutender Privatbankgeschäfte immer
schwerer werden, Persönlichkeiten zu finden, die den für solche Stellungen not
wendigen weiten Blick, sowie starke Initiative und Energie und jene organisatorische
Befähigung besitzen, der Deutschlands große Unternehmungen in Handel, Industrie
und Bankwesen so überaus viel verdanken. Ein Scheitern aber der Aufgabe, der
artige Personen ausfindig zu machen, würde nicht nur für den Fortgang der Kon
zentrationsbewegung, sondern auch für unsere gesamte wirtschaftliche Entwicklung
ungemein bedenkliche Folgen haben können.