Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

4. Zeitungswesen. 
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und machte sich die gesteigerte Produktion und den vergrößerten Absatzkreis zunutze. 
Allerorten sehen wir eine eifrige Druck- und Verlagstätigkeit sich entfalten, besonders 
auch im Norden Deutschlands, der bisher hinter dem Süden weit zurückgestanden hatte, 
diesen jetzt aber sogar bald überholte. Infolge des Hervortretens einer nationalen 
Literatur tritt der internationale Charakter des bisherigen Buchhandels mehr zurück. 
Der Büchervertrieb fetzt aber innerhalb der engeren Grenzen auch weit intensiver ein. 
Nicht nur in den großen Städten und an den Universitäten begegnen wir ansässigen 
Sortimentsbuchhändlern, sondern auch kleinere Reichs- und Landstädte haben bereits 
ihre Buchhändler, welche die Stadt und deren Umgebung mit den Erscheinungen des 
deutschen Büchermarktes versorgen. Obwohl der Wandervertrieb nicht aufhört, so 
gewinnt doch der ansässige Buchhandel die weitaus größere Bedeutung für den Bücher 
vertrieb. Die Verleger selbst geben meist den Wandervertrieb durch ihre Diener auf 
und halten dafür ein oder mehrere Sortimentslager. Um die Mitte des 16. Jahr 
hunderts weist der Buchhandel bereits eine ähnliche Gliederung wie der heutige auf. 
4. Zeitungswesen. 
Von Karl Bücher. 
Bücher, Die Anfänge des Zeitungswesens. In: Die Entstehung der Volkswirtschaft. 
Versuche und Vorträge. 8. Ausl. Tübingen, H. Laupp, 1911. S. 222 - 223 und S. 243 ff. 
Die Zeitung bildet ein Glied in der Kette der modernen Verkehrsmittel, d. h. 
der Einrichtungen, durch welche der Austausch geistiger und materieller Güter in der 
Gesellschaft bewirkt wird. Aber sie ist kein Verkehrsmittel in dem Sinne wie die 
Post oder die Eisenbahn, welche den Transport von Personen, Gütern und Nach 
richten bewirken, sondern ein Verkehrsmittel wie der Brief und das Zirkular, welche 
die Nachrichten erst transportfähig machen, indem sie dieselben mittels Schrift und 
Druck sozusagen von ihrem Urheber loslösen und körperlich übertragbar machen. 
So groß uns auch heute der Unterschied zwischen Brief, Zirkular und Zeitung 
erscheinen mag, so zeigt doch ein wenig Nachdenken, daß alle drei wesentlich gleichartige 
Produkte sind, entsprungen aus dem Bedürfnis der Nachrichtenmitteilung und aus 
der Verwendung der Schrift zur Befriedigung dieses Bedürfnisses. Nur darin liegt 
der Unterschied, daß der Brief sich an einzelne wendet, das Zirkular an mehrere 
bestimmte Personen, die Zeitung an viele unbestimmte Personen. Oder mit anderen 
Worten: Brief und Zirkular sind Mittel privater Nachrichtenmitteilung-, die Zeitung 
if* ein Mittel der Nachrichtenpublikation. 
Die erste gedruckte Wochenzeitung, von welcher wir Kunde haben, ist ein 
Straßburger Blatt, von dem sich der Jahrgang 1609 auf der Heidelberger Universitäts 
bibliothek befindet, während Reste späterer Jahrgänge auf der Züricher Bürger 
bibliothek sich erhalten haben. 
Deutschland ist mithin das erste Land, welches in regelmäßigen kurzen Fristen 
erscheinende gedruckte Zeitungen aufzuweisen hat. Die Ansprüche, welche früher von 
den Engländern und den Niederländern auf die Ehre erhoben wurden, die ersten ge 
druckten Wochenzeitungen hervorgebracht zu haben, sind jetzt wohl aufgegeben. Eng 
land kann nichts dem Ähnliches vor dem Jahre 1622, Holland vor 1626 namhaft 
wachen; das erste französische Wochenblatt begann 1631 zu erscheinen. 
Mit den Wochenzeitungen war der Anstoß zur eigentlichen modernen Ent 
wicklung des Zeitungswesens gegeben. Immerhin dauerte es noch ziemlich lange bis 
Mm Auftreten der ersten Tagesblätter. Dieses erfolgte in Deutschland 1660
	        
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