4. Der Deutsche Handelstag.
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Handelstag in seinen Vollversammlungen seit langer Zeit regelmäßig zu seiner be
sonderen Genugtuung vom StaatssekretärdesJnnern mit einer Ansprache
ausgezeichnet. Daneben wohnen den Versammlungen auch andere Vertreter der
Zentralbehörden bei, wenn auch bei weitem nicht in dem Umfang wie beim Deutschen
Landwirtschaftsrat.
Während die Handelskammern in einigen mittleren Bundesstaaten, wie Sachsen,
Baden und Hessen, regelmäßig Zusammenkünfte veranstalten, gibt es eine derartige
Vereinigung für die Gesamtheit der preußischen Handelskammern nicht; vielmehr ver
sieht der Deutsche Handelstag zugleich auch die Zentral st ellefürdiepreußi-
fchenHandelskammern. Dies ist in so fern natürlich, als die Mehrzahl seiner
Mitglieder preußische Handelskammern sind und er seinen Sitz in der preußischen
Hauptstadt hat; und dies ist auch deshalb gut, weil ein Preußischer Handelstag neben
dem Deutschen Handelstag den letzteren beeinträchtigen und damit alle Handels
kammern, das Interesse der Gesamtheit schädigen würde. Als Zentralstelle für die
preußischen Handelskammern wird der Deutsche Handelstag vom Preußischen
MinisterfürHandelund Gewerbe u. a. darin anerkannt, daß der Minister
die im Auftrag des Deutschen Handelstags von dessen Generalsekretär herausgegebene
Zeitschrift „Handel und Gewerbe" für seine amtlichen Mitteilungen an die Handels
kammern benutzt.
Die genannte Zeitschrift, die früher im Auftrag der vereinigten Sekretäre
deutscher Handels- und Gewerbekammern herausgegeben wurde, ist Anfang 1898 vom
Deutschen Handelstag übernommen worden. Sie verfolgt den Zweck, einerseits die
gesamte Tätigkeit der deutschen Handelskammern systematisch zu verarbeiten und zu
gesteigerter Geltung zu bringen, andererseits die Handelskammern durch Mitteilung
von Äußerungen und Bestrebungen der übrigen Handelskammern und durch andere
Mitteilungen in ihrer Tätigkeit zu unterstützen. Zu Anfragen an die Handelskammern
wird die Zeitschrift nicht nur vom Preußischen Minister für Handel und Gewerbe,
sondern auch vom Kaiserlichen Patentamt und von Eisenbahn-
behörden benutzt.
P r ä s i d e n t des Deutschen Handelstags ist seit 1905 der Präsident der Ältesten
der Kaufmannschaft von Berlin Johannes Kaempf; von 1888 an war es bis zu
seinem, am 17. Juli 1905 erfolgten Tode Geheimer Kommerzienrat Frentzel (Berlin),
vorher seit 1870 mit kurzer Unterbrechung Geheimer Kommerzienrat Delbrück (Berlin);
im ersten Jahrzehnt des Bestehens des Deutschen Handelstags fand ein häufiger
Wechsel in der Leitung statt.
Generalsekretäre waren Dr. Maron, Dr. Alexander Meyer, Dr. Rentzsch,
Konsul z. D. Annecke und, seit 1897, Dr. Soetbeer.
sehen möchte. Mit vieler Mühe, großer Beharrlichkeit und Überwindung der mannigfaltigsten
Schwierigkeiten wurde eine größere Einigung der deutschen Staaten auf vielen Gebieten der
materiellen Interessen erreicht. Möchten diese Erfolge, die in Ihnen einen wesentlichen Stütz
punkt haben werden, dazu führen, daß das deutsche Vaterland auch in politischer Be
ziehung zu größerer Einigung gelange, und daß ihm diejenigen Einrichtungen zuteil werden,
welche die Bedingungen seiner Kraft und Größe sind." — G. M.