1. Zur Philosophie des Erfindens.
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klappe, den Regulator, die Stopfbüchse, daß uns feine Laufbahn einen Begriff davon
gibt, was dazu gehört, heutzutag eine große Erfindung ihrer Vollendung entgegen
zuführen.
Wir wissen heute, welch unberechenbare Umwälzungen die Verwertung der
Dampfkraft oder, richtiger gesagt, die Verwendung der aufgespeicherten Wärmemengen
in der Natur auf allen Gebieten des Kulturlebens hervorgebracht hat. Vor allem
zeigte sich dies in der Beschleunigung und Ausdehnung des Verkehrs, die heute
noch daran arbeitet, das Leben der gesamten Menschheit umzugestalten. Die Geschichte
der Eisenbahnen zeigt uns den Gang des modernen Erfindens in besonders drastischem
Lichte. Gar vieles mußte vorangehen, um dem großen Gedanken die Wege zu
bahnen. Holz- und Eisenbahnen mit Pferdebetrieb waren in den Bergwerken von
'Jorkshire und auch in Deutschland im Gebrauch. Die erste Eisenbahn wurde im
Norden Englands gelegt, um während einer Geschäftsstockung unverkäufliche Guß
barren, sog. Masseln, aus dem Weg zu räumen. Dann mußten durch zwei Jahr
hunderte Papin, Savery, Newcome, Watt und andere die Dampfmaschine so weit
herausarbeiten, daß man sie auf einen Wagen stellen konnte. Hierauf mußte ein
kleiner Junge bei Newcastle geboren werden und als blutarmer Bergwerkslehrling
ein scheinbar aussichtsloses Leben beginnen. Und dann kam der unvergeßliche Wett
streit der fünf Preislokomotiven auf der Trambahn zwischen Manchester und Liver
pool, die für Pferdebetrieb erbaut worden war, brachte die für jene Tage erstaunlichen
Leistungen des jungen George Stephenfon zur Geltung und leitete nun eine Reihe
genialer Erfindungen ein, die dem unbeholfenen, kohlenfressenden, feuerspeienden
Ungetüm von 1829 die elegante Form, die Sicherheit, die Kraft und Geschwindigkeit
der Lokomotive von heute gaben*). Aber all das spielte sich nicht ab ohne die heftigsten
Kämpfe gegen Unverstand und Kurzsichtigkeit, ohne Proben von heldenhaftem Mut
und noch heldenhafterer Geduld der Pioniere unserer Zeit. Kurz, auch hier war es
nicht die Notwendigkeit, nicht das Bedürfnis, nicht der Zufall, sondern die Kraft von
Geist und Charakter, welche die große Erfindung ans Ziel führte.
Eine ähnliche, nicht weniger wechselvolle Geschichte erzählt uns die Dampf
schiffahrt. Sie bildet zugleich eines der lehrreichen Beispiele derjenigen Erfindungen,
die im wesentlichen aus dem zähen, mühevollen Ausarbeiten von Einzelheiten hervor
gingen und so Schritt für Schritt sich einem Ideal nähern, das dem ursprünglichen
Erfinder vorschwebte, das er selbst aber häufig genug nicht zu erreichen vermochte.
In Deutschland, in dem fruchtbaren Gehirn Papins entstand der erste Gedanke,
unmittelbar nach seiner Erfindung der ersten, kaum brauchbaren Dampfmaschine,
aber auch deutsche Schiffer waren es, die das erste Boot in Trümmer schlugen und
dem unglücklichen Wohltäter einer späteren Zeit das Herz brachen. Er war nicht das
erste Opfer seines Gedankens. Ein volles Jahrhundert hindurch wurden in Deutsch
land, Frankreich, England und Amerika zahllose Versuche fortgesetzt, ihn zu ver
wirklichen, und nahezu jede heute noch auftretende Möglichkeit, die der Natur abge
lauscht werden konnte oder der menschlichen Phantasie entsprang, wurde schon damals
angewandt. Der Entenfuß, die Fifchfloffe, das Rad, die Schraube und selbst die
sog. Reaktionsboote, in welchen das von Pumpen nach hinten ausgestoßene Wasser
das Schiff vorwärts treibt. Der amerikanische Erfinder Fitsch, der vor Fulton der
Lösung des Problems am nächsten kam, fand den freiwilligen Tod des verzweifelnden
Genies im Delaware, in dem Strom, in dem er feine ersten Versuche angestellt hatte.
Es war ein jahrhundertlanges Wandern des ursprünglichen Gedankens von einem
Land, von einem Weltteil zum andern, bis Fulton, ein Maler von Beruf, sein erstes
erfolgreiches Dampfschiff, ausgestattet mit einer englischen Maschine von Watt, auf
dem amerikanischen Hudson in Bewegung setzte. Hierbei war zweifellos das leb-
*) f. unten Fünften Teil, Abschnitt III. Nr. 4. — G. M.