Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

5. Die Fabrik. 
371 
24* 
2. sind bestehende Großindustrien aus den oben angeführten Gründen immer 
von so entscheidender Wichtigkeit für das ganze wirtschaftliche Leben des Staates, daß 
eine Nichtberücksichtigung ihrer Interessen stets auch die Schädigung weiterer Be 
völkerungskreise in sich schließt; 
3. endlich werden die Großindustrien von den staatlichen Maßnahmen vermöge 
der größeren Intelligenz, der größeren Vermögen und der rascheren Orientierung 
ihrer Leiter stets einen viel stärkeren Gebrauch machen als die kleinen. Ausstellungen, 
gewerbliches Unterrichtswesen, Muster- und Markenschutz, Privilegien, Patente usw., 
die formell nicht der Großindustrie allein dienen, werden doch ihr in stärkerem Maße 
zugute kommen. 
So ist das Fabrikswesen durch innere und äußere Momente im 19. Jahrhundert 
mächtig gefördert worden. Die als Fabriken zu bezeichnenden Unternehmungen 
haben nicht nur an Zahl bedeutend zugenommen: es ist auch eine innere Entwicklung 
bemerkbar, welche für die ganze volkswirtschaftliche Organisation wichtig geworden 
ist. Es sind den einfachen» dem Handwerk gegenüber als Großbetriebe zu bezeich 
nenden Fabriken fabriksmäßige Großbetriebe entgegengetreten, welche die ersteren an 
Intensität der Arbeitsteilung und Arbeitsvereinigung, in der quantitativen und quali 
tativen Bedeutung der angewendeten Maschinen und Apparate, in der Zahl der beschäf 
tigten Arbeitskräfte, in der Größe des angelegten Kapitals und in der ganzen Organi 
sation um ein bedeutendes überragen. Die Weiterbildung der Fabriksbetriebe 
geschieht nicht nur durch eine gesteigerte Anwendung derjenigen Mittel, durch welche 
die Fabrik das Handwerk übertrifft; sie bedient sich auch neuer Mittel. Solche sind: 
die Spezialisation des Betriebes, die Kombination mehrerer Betriebe, die Abgabe 
der kaufmännischen Funktion der Betriebsleitung an selbständige Unternehmungen, 
die örtliche Zusammenfassung von Fabriksbetrieben und endlich ihre Vereinigung in 
Gemeinschaftsorganisationen, wie Kartelle und Trusts. 
Die Spezialisation ist Beschränkung der Produktion auf Artikel von 
geringer Verschiedenartigkeit. Sie gewährt alle Vorteile der Verbilligung und Ver 
vollkommnung einer stets in gleicher Richtung vor sich gehenden Arbeit. 
Die Kombination mehrerer Betriebe liegt dann vor, wenn verschiedene Pro 
duktionsstufen von einer Unternehmung zusammengefaßt werden; wenn z. B. zu 
einem Stahlwerk ein Hochofen, zu diesem Erzgruben und Kohlenbergwerke, Koks 
fabriken und dgl. hinzutreten, also Roh- und Hilfsstoffe der Ganzfabrikation in eigenen 
Betrieben für den Eigenbedarf gewonnen oder die Abfallstoffe der Produktion selb 
ständig verwertet werden. Dadurch gewinnt der Unternehmer nicht nur die Sicher 
heit guter Qualität seiner Roh- und Hilfsstoffe, die Unabhängigkeit von Störungen, 
er spart auch alle über die Produktionskosten hinausgehenden Kosten eines Kaufes 
zu Marktpreisen. 
Durch die Trennung der kaufmännischen Aufgaben des Ein 
kaufes von Rohstoffen, des detaillierten Verkaufes von Produkten wird die Leitung 
entlastet und kann sich mit größerer Energie der technischen Aufgabe zuwenden. 
Durch die örtliche Zusammenfassung von Fabriken (Maschinen 
industrie und Baumwollenindustrie, Spinnerei und Weberei) werden Transportkosten 
gespart, Fortschritte der Technik rasch ausgenützt, wird Spezialisierung erleichtert. 
In den Kartellen und Trusts endlich treten Vereinbarungen auf, welche 
monopolistisch die Fabrikation bestimmter Produktionszweige beherrschen. 
Unter Anwendung dieser Mittel sind mächtige Unternehmungen entstanden, 
welche Tausende von Arbeitern beschäftigen, technische Anstalten der verschiedensten 
Art in Betrieb setzen und einen Verkehr mit allen Weltteilen entfalten. Solche 
Unternehmungen können, auch wenn sie einem Eigentümer gehören, nicht mehr 
von einem einzelnen geleitet werden; die Leitung ist einer Mehrzahl von Angestellten
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.