Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

6.  Die  chemische  Industrie.

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Stettin  nach  Beuchen  zu  ermäßigen,  so  entschloß  sich  ein  oberschlesischer  Großindustrieller, ­
  an  der  Küste  bei  Stettin  das  chochofenwerk  Kraft  zu  errichten.  Das  Erz
kann  dort  bis  an  den  Hochofen  per  Schiff  herangebracht  und  die  Kohle  aus  dem  Ruhrrevier ­
  oder  England  auf  dem  Wasserwege  bezogen  werden.  Diesen  ersten  glücklich
verlaufenen  Versuchen  folgten  in  wenigen  Jahren  die  Hochofenwerke  in  Lübeck,
Emden  und  Bremen.
Ilsede  und  Georgs-Marien-HUtte  in  der  Provinz  Hannover,  die  Maximilianshütte ­
  bei  Rosenberg  in  Bayern  und  bei  Zwickau  in  Sachsen  sind  vereinzelt
liegende  bedeutende  Werke,  deren  Gründung  und  Betrieb  auf  Erzvorkommen  in  der
Nachbarschaft  beruhte.
Das  Hauptvorkommen  von  Peine-Jlfede  bei  Bülten-Adenstedt  ist  eine  Erzmulde
von  40  qkm,  die  ein  2—13  m  mächtiges  Bohnerzlager  enthält,  welches  durch  zum
Teil  kalkige,  zum  Teil  tonige  Mittel  ein  festes  Konglomerat  bildet.  Diese  großen
Ablagerungen  von  Eisenerzen,  welche  sich  zum  Thomasroheisen  trefflich  eignen,  sichern
diesem  Werk  eine  technisch-wirtschaftliche  Ausnahmestellung.
Die  Grundlage  der  Georgs-Marien-Hütte  wird  durch  die  Eisensteinlager  von
Hüggel  gebildet,  während  die  Maximilianshütte  außer  ihrem  Erzbesitz  in  Thüringen,
der  an  Ort  und  Stelle  eine  Verhüttung  findet,  für  die  Hochofenanlage  in  Rosenberg
über  treffliche  Erze  aus  den  dem  Werk  gehörigen  Eifensteingruben  bei  Sulzbach  und
Auerbach  (Oberpfalz)  verfügt.
In  Bayern  scheint  sich  eine  weitere  neue  Grundlage  für  die  deutsche  Eisenindustrie ­
  zu  entwickeln,  denn  in  den  letzten  Jahren  hat  u.  a.  die  Gewerkschaft  Wittelsbach ­
  mit  kühnem  Unternehmungsgeist  auf  dem  Hochplateau  der  Fränkischen  Alb  die
sog.  Alberze,  d.  h.  mächtige  Brauneisensteinlager  von  teils  körniger,  teils  mulmiger
Beschaffenheit  und  wechselndem  Eisengehalt  gemutet.  Das  gesamte  Erzfeld  bedeckt
ungefähr  120  000  ha,  wovon  die  genannte  Gewerkschaft  e U  besitzt.  Der  Inhalt  wird
auf  1700  Millionen  t  geschätzt.

6.  Die  chemische  Industrie.
Von  F.  C.  Huber.
Huber,  Deutschland  als  Industriestaat.  Stuttgart,  I.  G.  Cotta  Nachfolger,  1901.
S.  370—373.
Die  chemische  Industrie,  deren  Produktion  heute  einen  Wert  von  einer  Milliarde  Ji
darstellt,  ist  eine  Schöpfung  der  neuesten  Zeit.  Ihre  Anfänge  weifen  zurück  auf  die
Erzeugung  der  Pottasche  aus  Holzasche  für  die  Glasfabrikation,  auf  die  Gewinnung
des  Salpeters  für  die  Schießpulverfabrikation,  sowie  auf  die  Darstellung  einiger
Mineralfarben,  die  von  den  Glasmachern  und  Töpfern  nach  uralten,  umständlichen
Rezepten  zubereitet  wurden.  Eine  neue  Zeit  brach,  wie  für  alle  Naturwissenschaften,
so  auch  für  die  Chemie  zu  Beginn  des  19.  Jahrhunderts  an.  Die  damals  aufkommende ­
  Baumwollweberei  und  die  daran  sich  anlehnende  Färberei  und  Zeugdruckerei
traten  mit  einem  bisher  ungeahnten  Massenbedarf  auf.  Auch  in  anderen  Gewerben,
wie  in  der  Seifen-  und  Glasfabrikation,  sowie  in  der  Keramik  stellte  sich  das  Bedürfnis
wi,  rationelle  Bearbeitungsmethoden  zu  erlangen  und  auf  dem  Wege  des  Großbesuges
  die  zur  Fabrikation  benötigten  Substanzen  und  Produkte,  wie  Pottasche,  Alaun,
Salpeter,  Schwefelsäure,  einzukaufen,  die  bis  dahin  noch  nicht  im  Handel  vorkamen.
In  der  ersten  Hälfte  des  19.  Jahrhunderts  fabrizierte  man  in  Deutschland,
anfänglich  in  Anlehnung  an  die  (alten)  Apothekenbetriebe,  lediglich  Alaun  und  Vitriole
(Eisen-,  Kupfer-  und  gemischte  Vitriole),  Vitriolöl,  Salzsäure  und  Salpetersäure,
            
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