Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

7.  Ernst  Wilhelm  Arnoldi.

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...  Arnoldi  war  ein  self-made  man.  Wir  haben  es  aus  seinem  Munde,  wie
uritlg,  wie  mangelhaft,  wie  planlos  seine  Erziehung,  wie  viel  reicher  sie  an  Gelegenheit ­
  zur  Mißbildung  wie  an  wohltätiger  geregelter  Einwirkung  war.  Der  gute  Keim,
>e  gute  Tradition  und  die  reichen  Anlagen,  —  das  war  alles,  was  er  aus  dem  Vatsryache
  mitbrachte.  Alles  andere,  was  not  tat  und  ihm  zumal,  dem  zu  großen  Dingen
erufenen,  not  Lat,  mußte  er  sich  nach  eigenem  Regime  erwerben.  Er  hat  es  er-^orben
  im  Schweiße  seines  Angesichts.
bl  oft  macht  das  Bewußtsein  solchen  eigenen  Verdienstes  hoffärtig!  Wie  oft
ewt  an  dem,  der  so  auf  eigenen  Füßen  und  ohne  planmäßige  Einwirkung  von
haften!  geworden,  ein  gewisser  Makel  der  Unfertigkeit  oder  der  Einseitigkeit
W  ÜOn  ordern  gewahren  wir  bei  Arnoldi.  Sein  mühsam  erworbener
d  °hU'  mochte  ihn,  der,  dem  frohen  Lebensgenüsse  zugänglich  wie  irgendeiner,  doch
as  bescheidenste  bürgerliche  Leben  führte,  nur  wohltätig,  über  die  Ehrenerweisungen,
le  ihm  zuteil  wurden,  empfand  er  gewiß  eine  ganz  ungeheuchelte  Freude.  Aber
ei  entfernt  war  er  von  dem  Wahne,  daß  dergleichen  den  Wert  des  Menschen  erhöhen ­
  könne  ....
Auch  sonst  hatte  er  nichts,  nicht  das  mindeste  vom  Emporkömmling.  Sein  ganzes
Aresen  war  harmonisch,  sein  Benehmen  das  eines  sorgsam  erzogenen  Mannes.  Die
raftausdrücke,  deren  er  sich  bisweilen  bediente,  und  deren  einige  als  „geflügelte
f  äi  6  9r° U  Gedächtnis  der  Leute  hasten  geblieben  sind,  können  diesem  Urteil
(SrT  ^beuch  tun;  sie  waren  ein  Zeugnis  seiner  tapferen  Männlichkeit  und  der
arte  seiner  Empfindung.  Sie  waren  vielleicht  auch  gut  thüringisch.  Denn  in
yuringen  liebt  man,  sich  kräftig  auszudrücken.  Sie  würden  kaum  aufgefallen  fein,
enn  sie  charakteristisch  für  seine  gewöhnliche  Redeweise  gewesen  wären.
Grazie  und  Urbanität  in  der  Form  bei  ernstem  und  festem  Willen  machten  ihn
d  ^D'^bling  der  Frauen,  zum  meist  siegreichen  und  doch  nicht  gehaßten  Gegner  in
m er  Debatte,  zum  Führer  in  der  Ratsversammlung,  zum  geschickten  und  glücklichen
ermittler  bei  hoch  und  niedrig.
»  h  mar  bin  treuer  Freund.  Der  Kreis  derer,  mit  denen  er  freundschaftlich
ickUu  rte  * n  .der  Heimat  und  draußen,  war  ein  sehr  großer.  Die  besten  Männer
aa  es  sich  zur  Freude  und  Ehre,  mit  ihm  zu  verkehren;  mit  wenigen  war  er
Ü  ^.  vertraut.  Diesen  wenigen  gegenüber  faßte  er  seine  Freundschaft  ganz  im
llas,  ischen  Sinne  auf.
,  Gin  echter  deutscher  Familiensinn  war  ihm  eigen.  Nirgends  fühlte  er  sich
tA’  f  o* s  * m  Schoße  seiner  Familie.  Nichts,  nicht  die  Erfolge  seiner  gemeinnützigen
niM  v  °* 5er  ‘ 3a5  allmähliche,  wenn  auch  bescheidene  Wachstum  seines  Wohlstandes,
Gt  die  Ehre  und  den  Ruhm,  die  ihm  reichlich  zuteil  wurden,  pries  er  lauter  und
mbarer  als  das  Glück  seines  Hauses.
Arnoldi  war  mit  einem  ausgeprägten  Schönheitssinn  ausgestattet.  Die
beih  n  5561  ^ atur  wie  die  der  Kunst  wußte  er  innig  zu  genießen,  und  sein  Verständnis
in  töar  Eow  gewöhnliches.  Besonders  innig  liebte  er  die  Natur.  Er  hat  sie  nie
ihren  größten  landschaftlichen  Zauberwerken  geschaut.  Aber  seine  thüringensche
bennat  bot  ihm  im  kleinen  des  Entzückenden  genug,  und  leicht  fand  er  immer  das
schönste  heraus.  Seine  liebsten  Erholungen  waren  seine  Spaziergänge  in  die  nähere
oer  fernere  Umgebung  der  Stadt.  Oft  durchstreifte  er,  sich  neue  Lebenskraft  zu
yolen,  den  Thüringer  Wald,  dessen  höchste  Spitzen  er,  seltsamerweise,  obwohl  sie  von
otha  aus  sichtbar  sind  und  immer  in  ihrem  blauen  Duft  zum  Besuche  reizen,  erst  in
leinen  späteren  Jahren  aufsuchte.  Kein  Wunder,  daß  auch  in  seinen  Dichtungen  diese
sinnige  Freude  an  der  Natur  oft  zum  Ausdruck  kommt.  Meist  ist  das  Naturbild
r  der  Träger  verwandter  Empfindungen  und  Gedanken.
            
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