Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

5.  Die  europäischen  Kaffeemärkte.

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Die  Auktionen  bieten  den  direkten  Käufern  manche  Vorteile,  obwohl  1  %  von
dem  Werte  als  Registraturspesen  bezahlt  werden  müssen.  In  früheren  Jahren  betrugen
die  auf  den  einzelnen  Monatsauktionen  zum  Verkauf  gelangenden  Quantitäten  gewöhnlich ­
  ca.  100  000  Ballen,  und  es  hatte  der  Ablauf  der  Auktionen  einen  nicht  unwesentlichen ­
  Einfluß,  namentlich  auf  den  deutschen  und  belgischen  Markt;  allein  seit
Eröffnung  der  Terminmärkte  und  seit  dem  Zurückgehen  der  Produktion  auf  Java
ist  der  holländische  Markt  nicht  mehr  in  dem  Maße  tonangebend  wie  früher.
Außer  Europa  sind  die  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  der  größte  Konsument.
Dieselben  versorgen  sich  durch  die  beiden  Hauptplätze  NewPork  und  S  a  n  F  r  anet ­
  s  c  o  aus  Zentral-  und  Südamerika  und  beziehen  auch  kleine  Partien  von  den
Philippinen  und  aus  Niederländisch-Indien  (Sumatra).  New  Jork  notiert  pro
Pfund  englisch,  in  Cents  amerikanisch.
Zum  Schlüsse  wollen  wir  noch  einige  Worte  über  dieKaffeeterminmärkte
sprechen.  Die  wichtigsten  Terminmärkte  für  Kaffee  sind:  Havre,  Hamburg,  Antwerpen, ­
  London,  Marseille,  Amsterdam,  Rotterdam.  Außerdem  findet  auch  in  New  Port
ein  sehr  bedeutendes  Termingeschäft  in  Kaffee  statt.
Der  Unterschied  zwischen  dem  Effektiv-  und  Termingeschäft  läßt  sich  in  folgender
Weise  charakterisieren.  Beim  Effektivgeschäft  kann  ich  jedes  beliebige  Quantum
kaufen,  beim  Termingeschäft  nur  das  durch  die  Börseusancen  von  vornherein  bestimmte ­
  Quantum,  einen  sog.  Schluß.  Dieser  beträgt  in  Hamburg  und
Havre,  den  beiden  größten  Terminmärkten,  500  Sack,  welche  in  Hamburg  zu  29  250  kg
netto,  in  Havre  zu  29  400  kg  netto  gerechnet  werden.  Beim  Effektivgeschäft  wird  auf
Grund  von  Proben  (Mustern)  gekauft;  beim  Termingeschäft  ist  die  Qualität  der  zu
liefernden  Ware  durch  die  Börseusancen  vorgeschrieben.  Die  Hamburger  und  Havreser
Börseusancen  schreiben  vor:  „Santos  good  average“,  d.  h.  Kaffee  aus  Santos  (Brasilien), ­
  gute  Durchschnittsqualität.  Beim  Effektivgeschäft  kann  der  Käufer  den  Bezug
der  Ware,  den  Lieferungstermin  mit  dem  Verkäufer  frei  vereinbaren;  beim  Termingeschäft ­
  sind  die  Lieferungstermine  durch  die  Börseusancen  genau  vorgeschrieben.  Diese
Termine  sind:  Monatstermine,  vom  laufenden  Monat  angefangen  und  noch  die
weiteren  11  Monate.  Man  kann  also  im  Termingeschäft  Kaffee  z.  B.  im  Monat
Januar  bereits  lieferbar  im  Monat  Dezember  kaufen.
Durch  diese  von  vornhinein  fixierten  Quantitäten,  Qualitäten  und  Termine
gleichen  sich  also  die  einzelnen  Termingeschäfte  vollständig;  sie  sind  gleichartig  und
unterscheiden  sich  nur  im  Preis.  Dadurch  ist  die  Möglichkeit  der  Kompensation  und
durch  diese  die  Möglichkeit  der  Spekulation  gegeben,  wie  wir  an  einem  Beispiele
zeigen  wollen.
Hamburg.  A  kauft  am  7.  November  1904  500  Sack  Kaffee,  lieferbar  im
März  1905  zum  Preise  von  38  Pfennigen  pro  V2  kg.  Am  30.  Dezember  1904  notiert
der  Märztermin  40 1 /2-  A,  welcher  seinen  Kauf  am  7.  November  1904  nur  in  der
Hoffnung  auf  eine  Preissteigerung  vollzogen  hat,  verkauft  seinen  Schluß  zu  40)4
und  kassiert  sich  die  Differenz  ein.  Diese  Differenz  beträgt  pro  %  kg  2y 2  Pfennige,
also  bei  29  250  kg  die  Summe  von  1462,50  M.  Diese  Summe  wird  jedoch  um  ca.
400  JI  vermindert,  weil  die  Termingeschäfte  in  Kaffee  in  Hamburg  nur  durch  die
dortige  Waren-Liquidationskasse  gemacht  werden  können,  welche  1  %  Kommission,
Courtage,  Schlußnotenstempel  und  Zinsen  verrechnet.
Würde  Ende  Dezember  1904  der  Märztermin  1905  statt  40)4  3-  B.  35  notiert  haben
und  A  wollte  aus  dem  Engagement  gehen,  wie  man  zu  sagen  pflegt,  so  hätte  er  seinen
Schluß  mit  35  verkaufen  müssen  und  würde  bei  dieseni  Geschäft  1755  Ji  und  die
Spesen  mit  ca.  400  Ji  verloren  haben.  Dies  ist  die  Kehrseite  der  Medaille.
Die  Termingeschäfte  in  Kaffee  werden  an  den  genannten  Terminmärkten,
namentlich  in  Hamburg,  Havre  und  New  Dort  oft  in  kolossalen  Mengen  abgeschlossen
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