452 Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik. I. Weltwirtschaft.
und wirken für die Preisbildung beim effektiven Geschäfte manchmal sehr einschnei
dend. Am 7, November 1904, welchen Tag wir für unser Beispiel wählten, wurden
in Hamburg 28 500 Sack, in New Pork 66 000 Sack geschlossen, und da war kein
besonderes Geschäft.
Durch das Deutsche Börsengesetz vom 22. Juni 1896 ist nun das börsenmäßige
Termingeschäft in Getreide und Mühlenfabrikaten untersagt.*) In Hamburg wurde
1887 die Waren-Liquidationskasse für das Termingeschäft in Kaffee und Zucker
gegründet.
6. Hamburgs und Bremens Stellung auf dem Weltmärkte.
Von Kurt Wiedenfeld.
Wiedenfeld, Die nordwesteuropäischen Welthäfen (London—Liverpool—Hamburg—
Bremen—Amsterdam—Rotterdam—Antwerpen—Havre) in ihrer Verkehrs- und Handelsbe
deutung. Berlin, E. S. Mittler & Sohn, 1903. S. 297—302.
Hamburg ist derjenige Festlandhafen, der — wie im Verkehr so im Handel
— London den stärksten Wettbewerb macht, obwohl es in keinem Artikel eine den
Weltmarkt beherrschende Stellung einnimmt.
Von Massenrohstoffen ist nennenswert nur der Rübenzucker, dessen Ausfuhr
der Hamburger Eigenhandel für Deutschland und den größten Teil Österreichs besorgt,
in dessen Umsatz er sich von Magdeburg schon in ziemlich weitem Umfang befreit hat.
Daneben kommt noch die Einfuhr englischer Kohle in Betracht, deren Absatzkreis
jedoch ziemlich eng auf die dem Elbemündungshafen benachbarten Gebiete beschränkt
ist. Den zeitweise recht starken Spiritusexport und den nie sehr bedeutenden Wolle
handel hat dagegen Hamburg bereits fast ganz an Berlin verloren; und hier sitzen
auch die großen Jmporthäuser, auf deren Rechnung hauptsächlich das in der Hambur
gischen Statistik erscheinende Getreide eingeführt wird, während Baumwolle und
Petroleum von Bremen aus dirigiert werden. In die Einfuhr des europäischen Bau-
und Brennholzes teilt sich der Elbehafen ebenfalls mit Berlin.
Dagegen ist Hamburg einer der bedeutendsten Kaffeemärkte der Welt, nur von
New Work neuerdings im Umsatz übertroffen, Havre jedoch beträchtlich überragend
und nicht nur für Deutschland, sondern auch für den ganzen Norden und Osten
Europas der Bezugsvermittler. Den Vorsprung, den in den achtziger Jahren sich
Havre durch die schon 1882 erfolgte Einführung des Kaffeetermingeschäfts verschafft
hatte, hat der Elbehafen rasch eingeholt, nachdem auch er diese Geschäftsform im
Jahre 1888 organisiert hat. Es ist das amerikanische Gewächs, und zwar sowohl die
edlen Sorten Mittelamerikas und Westindiens als auch der gemeine Brasilkaffee,
das in Hamburg, wie auch in New Park, Havre, Antwerpen und Rotterdam, den
Markt füllt, während die Bohnen Ostindiens hauptsächlich von Amsterdam aus in den
Konsum gebracht werden.
London merkt jedoch den Wettbewerb des Hamburger Handels nicht so sehr in
diesen Artikeln, deren Umsatz an der Themse nicht erheblich ist, als vielmehr in all den
zahllosen Kolonialwaren, für die sich der Elbehafen bereits selbständig gemacht hat,
ohne doch zu einer regelmäßigen Marktbildung schon gelangt zu sein. So besteht hier
ein kräftiger Eigenhandel in Kakao, Tee, Reis und Gewürzen, in tropischen Nutz
hölzern und in Häuten, — alles Güterarten, die für Londons Handelsstellung aus
schlaggebende Bedeutung haben; und ebenso sind gerade Hamburgs Exporteure bereits
*) Börsentermingeschäfte mit Getreide und Erzeugnissen der Getreidemüllerei sind auch
nach dem Börsengesetze vom 8. Mai 1908 8 65 verboten, über handelsrechtliche
Lieferungsgeschäfte mit diesen Artikeln vgl. 8 67 des Gesetzes. — G. M.