Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

9. Aus der Geschichte der deutschen Kolonialpolitik. 
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Ägyptens entspreche; daß die klimatischen und Bodenverhältnisse für die Baumwolle 
günstig seien; daß die erzielte Baumwolle in ihrer Qualität mindestens der Marke 
middling american gleich, in ihrer Ausgiebigkeit jedoch noch verbesserungsfähig fei; 
daß die verhältnismäßig dichte Bevölkerung zur Ausnahme der Baumwollkultur sich 
hinreichend willig und intelligent zeige; daß schließlich die Rentabilität der Baum 
wollkultur als Eingeborenenkultur gesichert erscheine, sobald eine Verbilligung des 
Transports, insbesondere durch den Bau einer Eisenbahn von der Küste nach dem 
Hinterlande, erreicht sei. 
Aus dieser im ersten Versuchsjahr gewonnenen Grundlage ist seither mit 
wachsendem Erfolg weitergearbeitet worden. 
Wie nun auch die bis jetzt vorliegenden bescheidenen Anfänge mit unserer 
kolonialen Baumwollkultur sich gestalten mögen, zwei Gewinne können heute schon 
verzeichnet werden. 
Der erste Gewinn ist, daß es zum ersten Male an einem ganz besonders wich 
tigen Einzelfall einem großen Teil der deutschen Industrie und des deutschen Handels 
zum Bewußtsein gekommen ist, wie es unter Umständen für die Sicherung unserer 
heimischen Volkswirtschaft notwendig werden kann, auf die natürlichen Hilfsquellen 
unserer Kolonien zurückzugreifen, und daß zum ersten Male ein großer Teil der 
deutschen Industrie und des deutschen Handels sich zu einem einheitlichen Vorgehen, 
das die Nutzbarmachung unserer kolonialen Hilfsquellen bezweckt, zusammengeschlossen 
hat. . . . 
Der zweite Gewinn ist, daß die Leitung und die bisherigen Erfolge der deutschen 
Baumwollunternehmung die Aussicht eröffnen, daß die wirtschaftliche Energie in Ver 
bindung mit der wissenschaftlichen Gründlichkeit — die Eigenschaften, denen das neue 
Deutschland seinen großen wirtschaftlichen Aufschwung verdankt, — auch auf kolo 
nialem Felde schließlich sich durchsetzen wird. Jedenfalls hat Deutschland in seinem 
Baumwollunternehmen zum ersten Male auf kolonialem Gebiete bahnbrechend und 
vorbildlich auch für die größeren und älteren Kolonialmächte gewirkt. 
Anmerkung. 
Cingeborenenkultur 
im Jahre*) 
1901/2 
1902/3 
1903/4 
1904/5 
1905/6 
Die Fortschritte, die der Baumwollanbau seit seiner Einführung als 
in Togo gemacht hat, 
Ballen zu 250 kg 
40 
80 
128 
519 
857 
sind daraus zu ersehen, daß geerntet wurden 
im Jahre*) Ballen zu 250 kg 
1906/7 1205 
1907/8 1691 
1908/9 2337 
1909/10 1840 
1910/11 2123 
Supf, Deutsch-koloniale Baumwollunternehmungen. Bericht Xll (Frühjahr 1910). 
IBerlin, Druck von E. S. Mittler & Sohn, 1910.] S. 72 und Deutsch-koloniale Baumwoll 
unternehmungen. Bericht XVI (Frühjahr 1912). In: Verhandlungen der Baumwoll-Kommission 
des Kolonialwirtschaftlichen Komitees. ]Berlin, Druck von E. S. Mittler & Sohn, 1912.] 
S. 28. — G. M. 
s. Aus der Geschichte der deutschen Kolonialpolitik. 
Von Karl Bunter. 
Bunter, Der deutsche Kaufmann und die koloniale Expansion der Völker West 
europas. jRede.j Berlin, Georg Reimer, 1910. S. 14—16, S. 17—18 und S. 22—24. 
Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst von Brandenburg, der in seinen 
Jünglingsjahren von holländischer Seegröße starke Eindrücke für sein Leben empfangen 
*) Unter Jahr ist der Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 30. September zu verstehen.
	        
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