Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

2.  Vom  Schutz  der  nationalen  Arbeit.

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Schutze,  welchen  sie  ihrer  nationalen  Arbeit  gewährt  hatten.  Er  erkannte  den  Geist
der  Nationen  im  Geiste  ihrer  Arbeit.  Die  praktischen  Maßregeln,  welche  er  vorschlug,
konnten  bestritten  werden,  aber  daß  er  aus  vollem  Herzen  von  der  nationalen  Arbeit
zu  sprechen  wagte,  daß  er  das  Recht  der  Nation  in  der  Nationalökonomie  forderte,
dies  ist  der  dauernde  Ruhm  Friedrich  Lifts.  Die  moderne  h  i  st  o  r  i  f  ch  e  Schule
der  Volkswirtschaft,  welche  Wilhelm  Roscher  so  fest  und  reich  begründet  hat,  wußte
die  alten  Jrrgänge  der  ökonomischen  Romantiker  zu  vermeiden,  allein  gerade  in  seinen
feinen  kulturgeschichtlichen  Analysen  der  wirtschaftlichen  Tatsachen  geht  auch  Roscher
fort  und  fort  von  den  historischen  Persönlichkeiten  der  Völker  aus  und  gibt  uns,  ehe
wir  es  selber  merken,  die  ausgesührteste  Geschichte  der  nationalen  Arbeit.
Wenn  man  nun  aber  vordem  vom  „Schutze  der  nationalen  Arbeit"  redete,  so
griff  man  dabei  nur  drei  Worte  falsch.  Das  Wort  „Schutz",  indem  man  einseitig  an
Zwangsmaßregeln  des  Staates  dachte,  das  Wort  „national",  indem  man  dabei  nicht
den  Bezug  der  Arbeit  zur  Volkspersönlichkeit,  sondern  nur  zum  Volksreichtum  im
Sinne  hielt,  und  endlich  das  Wort  „Arbeit",  denn  man  hängte  sich  nur  an  eine  enge
Arbeitsgruppe.  (Die  Worte  wechseln  eben  wunderbar  ihren  Kurs.  Galt  doch  auch
das  Wort  „national"  zur  Zeit  des  vormärzlichen  Liberalismus  als  der  Gegenpol  des
Wortes  „liberal",  und  nicht  mit  Unrecht;  denn  es  fetzt  als  Parteiprädikat  den  Standpunkt ­
  des  historisch  erfaßten  Volkslebens  voraus!)
Allein  der  wahre  Schutz  der  nationalen  Arbeit  gilt  gar  nicht  zunächst  den  Produzenten, ­
  sondern  den  Konsumenten,  er  geht  nicht  vom  Staate  aus,  sondern  von  den
Konsumenten  selber,  er  kümmert  sich  gar  nicht  um  Volkseinkommen  und  Geld
und  Erwerb,  sondern  lediglich  um  das  luftige  Gut  des  nationalen  Geistes;  es  ist  dieser
Schutz  auch  nicht  die  Aufgabe  einer  Genossenschaft,  sondern  die  Ehrensache  jedes
Gebildeten  im  einzelnen,  er  braucht  auch  nicht  erst  herbeigewünscht  zu  werden,  sondern
ist  vielfach  schon  vorhanden.
Wie  wir  bei  den  Werken  der  reinen  Geistesarbeit  uns  zuerst  bewußt  wurden
des  nationalen  Gepräges  der  Arbeit  überhaupt,  so  ward  es  auch  hier  zuerst  im  Volksbewußtsein ­
  als  unsere  verfluchte  Schuldigkeit  erkannt,  daß  wir  die  nationalen  Werke
der  Geistesarbeit  vor  den  fremden  hegen  und  uns  an  ihnen  erquicken  und  erbauen
sollen.  Unsere  gesteigerte  Bildung  erkennt,  daß  die  Werke  unserer  eigenen  Meister
für  uns  die  nächsten  und  wichtigsten  sind,  nicht  darum,  weil  sie  überall  schlechthin  die
besten  wären,  sondern  weil  sie  uns  eigen  sind,  unsere  persönliche  Arbeit,  die  uns
selber  auch  wieder  persönlich  machen  wird  und  folglich  auch  mächtiger  als  Nation.
Die  Bildung  ist  es,  die  solchergestalt  einen  ideellen  Schutz  der  nationalen
Arbeit  zu  schaffen  beginnt,  einen  gewaltigen  Schutz,  weit  über  alle  Monopolien  und
Schutzzölle.
Allein  Geistesarbeit  steckt  nicht  bloß  in  den  reinen  Werken  des  Geistes,  sie  ruht
auch  im  Erzeugnis  des  Gewerbes  und  der  Industrie.  Und  wenigstens  bei  den
höheren  Arbeitsprodukten  dieser  Gruppen  spricht  sich  ein  persönlich  nationales  Gepräge ­
  bestimmt  aus  im  Geschmack  der  Form,  in  praktischer  Gediegenheit,  im  Tiefsinn
der  Erfindung.  Da  lugt  überall  das  Wahrzeichen  geistigen  Schaffens  hervor.
Schmücken  und  verbessern  wir  unser  tägliches  Leben  vorwiegend  mit  Gewerbeerzeugnissen,
  die  nach  Form  und  Anlage  aus  dem  Geschmack  und  den  Sitten  einer
fremden  Nation  hervorgewachsen  sind,  dann  wird  der  deutsche  Geist  in  uns  dadurch
schwerlich  besonders  angeregt  und  gehoben  werden.  Für  den  wahrhaft  gebildeten
Mann  ist  auch  das  kleinste  Ding,  welches  ihn  täglich  umgibt,  nicht  gleichgültig.  Er
wird  ebenso  entschieden  darauf  sehen,  daß  der  Stil  seiner  Zimmereinrichtung  seinem
Charakter  entspricht,  wie  der  Stil  seiner  Rede  und  Schrift.  Ein  hochgebildeter  armer
Leusel  hat  nur  oft  leider  den  Stil  seiner  Feder  wohl  in  freier  Hand,  aber  nicht  den
Stil  seines  Hausrates.  Was  soll  man  aber  dazu  sagen,  wenn  gerade  unsere  vor-
            
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