Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

6. Fürst Bismarck als Handelspolitiker. 
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Angabe zu versehen, und daß ihr Geschäftsbetrieb schwer geschädigt werden würde, 
wenn man ihnen dies untersagte; die Folge eines solchen Verbotes würde sein, daß 
sie nicht nur den englischen, sondern auch den deutschen Markt für ihre bessere Ware 
verlieren würden, da man auch in Deutschland die englische Ware vorzöge. 
Trotz langer Debatten kam es zu keiner Verständigung zwischen uns. Die 
Deputation erkannte wohl an, daß die deutsche Industrie selbstmörderisch handelte, 
wenn sie ihre gute Ware als fremdes und nur die schlechtere als eigenes Fabrikat auf 
den Markt brächte, sie schob die Schuld aber auf das kaufende Publikum, welches es 
so verlangte. Wir schieden daher im Zwiespalt, und ich glaube, ich wäre nicht wieder 
gewählt worden, wenn ich mich nochmals zur Wahl gestellt hätte. Das Verbot hat 
im übrigen gut gewirkt, wenn es auch leider nicht in voller Schärfe durchgeführt 
wurde. Es hat sich seitdem in jenem alten und berühmten Jndustriebezirke, wie 
überhaupt in der ganzen deutschen Technik, schon ein Fabrikantenstolz herausgebildet, 
der nur gute Ware zu liefern gestattet, und man hat auch vielfach schon eingesehen, 
daß in dem guten Rufe der Fabrikate eines Landes ein wirksamerer Schutz liegt als in 
hohen Schutzzöllen. 
Ein wirksames Zollschutzsystem, welches der Industrie den Konsum des eigenen 
Landes sichert, läßt sich überhaupt nur dann konsequent durchführen, wenn dieses 
Land, wie z. B. die Vereinigten Staaten von Amerika, alle Klimate umfaßt und alle 
Rohprodukte, deren feine Industrie bedarf, selbst erzeugt. Ein solches Land kann sich 
gegen jeden Import absperren, vermindert dadurch aber gleichzeitig seine eigene 
Exportfähigkeit. Es muß als ein Glück für Europa betrachtet werden, daß Amerika 
durch sein prohibitives Schutzzollsystem die gefahrdrohende, schnelle Entwicklung seiner 
Industrie gehemmt und seine Exportfähigkeit verringert hat. Das durch hohe Schutz 
zollbarrieren zerrissene Europa gewinnt dadurch Zeit, die Gefahr seiner Lage zu er 
kennen, die ihm den Wettbewerb mit einem zollfreien Amerika auf dem Weltmärkte 
unmöglich machen wird, wenn es ihm nicht rechtzeitig als merkantil organisierter 
Weltteil gegenübertritt. Der Kampf der alten mit der neuen Welt auf allen Gebieten 
des Lebens wird allem Anscheine nach die große, alles beherrschende Frage des kom 
menden Jahrhunderts fein, und wenn Europa seine dominierende Stellung in der 
Welt behaupten oder doch wenigstens Amerika ebenbürtig bleiben will, so wird es sich 
beizeiten auf diesen Kampf vorbereiten müssen. Es kann dies nur durch möglichste 
Wegräumung aller innereuropäischen Zollschranken geschehen, die das Absatzgebiet 
einschränken, die Fabrikation verteuern und die Konkurrenzfähigkeit auf dem Welt 
märkte verringern. Ferner muß das Gefühl der Solidarität Europas den anderen 
Weltteilen gegenüber entwickelt, und es müssen dadurch die innereuropäischen Macht- 
und Jnteressenfragen auf größere Ziele hingelenkt werden. 
6. Fürst Bismarck als Handelspolitiker. 
Von Magnus Biermer. 
B i er m e r, Fürst Bismarck als Volkswirt. 2. Aufl. Greifswald, Julius Abel, 1899. S. 17 ff. 
Schmoller hat in seinen berühmten vier sozialpolitischen Briefen an die Berliner 
Wochenschrift „Soziale Praxis" gesagt, Bismarck stehe in volkswirtschaftlicher Be 
ziehung auf der Grenzscheide zwischen einem manchesterlich und einem sozialistisch 
gefärbten Zeitalter. Mit diesen Worten ist die dem leitenden Staatsmann gestellte 
Lebensaufgabe in nationalökonomischer Hinsicht ebenso kurz wie treffend charakteri 
siert. Alle Kombinationen, die sich aus dem Übergang unseres engeren und weiteren 
Vaterlands aus einem armseligen und zerfahrenen volkswirtschaftlichen Zustand in ein 
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