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Fünfter Teil. Verkehr. I. Zur Geschichte des Verkehrs.
bildung eines ganzen Systems symbolischer Zeichen und Verständigungsmittel. So
finden wir schon bei den rohen Stämmen im Innern Australiens verschiedene Arten
der Körperbemalung, des Kopfschmuckes und andere konventionelle Zeichen, um
einem Nachbarstamme den Eintritt eines Todesfalles, die Abhaltung eines Festes
oder eine drohende Gefahr anzuzeigen, die Stammgenossen zu irgendeinem Zwecke
zusammenzurufen und dergl. Bei den Eingeborenen Südamerikas verrichten künstlich
verknotete Stricke oder Lederriemen (Ouippus), bei den Nordamerikanern der be
kannte Wampum dieselben Dienste; in Afrika sind Botenstäbe mit oder ohne ein
geschnittene Zeichen gebräuchlich, und ähnliches findet sich bei den Malaien und
Polynesiern. Im Notfälle haben die Boten ihren Auftrag auswendig zu lernen
und mündlich zu übermitteln. In den Negerreichen, wo die Regierungsgewalt des
Herrschers nur so weit reicht, als er persönlich oder durch seine Sippengenossen
einzugreifen imstande ist, haben die Häuptlingsboten eine sehr wichtige Stellung:
durch sie ist das Oberhaupt gleichsam überall gegenwärtig, und neue Ereignisse
gelangen mit überraschender Schnelligkeit zu seiner Kenntnis. Aber auch für die
Verständigung der Stammgenossen untereinander, z. B. auf der Jagd, im Kriege,
besteht eine oft sehr kunstreich ausgedachte Verkehrssymbolik, die dem Uneingeweihten
in der Regel verborgen bleibt.
Nicht minder merkwürdig sind die Fernsprecheinrichtungen, welche
auf dem kunstvollen Gebrauche der T r o m m e l, des verbreitetsten Musikinstrumentes
der Naturvölker, beruhen. Bald handelt es sich dabei um ein ausgebildetes Signal
system, wie bei den Indianern und Melanesiern, bald um eine richtige Wortsprache
durch welche aus weite Entfernungen hin ausführliche Unterredungen geführt werden
können, wie vielfach in Afrika. In der Regel find nur die Häuptlinge und ihre An
verwandten dieser Trommelsprache kundig, und der Besitz des dazu verwandten
Instrumentes bildet ein Zeichen ihrer Würde, wie Krone und Szepter in den zivili
sierten Ländern. In geringerer Verbreitung werden auch Feuerzeichen zur
Sammlung des Stammes oder zur Mitteilung von Nachrichten verwendet.
2. Das Verkehrswesen bei den Römern.
Von Karl Rodbertus.
Rodbertus, Kommunikationsmittel im klassischen Altertum. In: Briefe und sozial
politische Aufsätze. Herausgegeben von Meyer. 2. Bd. Berlin, Adolf Klein, [1882]. S. 507
und S. 508 ff.
In keiner Beziehung haben die Römer ihren Beruf zur Administration der von
ihnen unterworfenen alten Welt so glänzend bewährt als durch Herstellung der
Kommunikation der verschiedenen Länder miteinander und mit dem Zentralpunkte
des Weltreiches selbst. Der gewaltige Umfang und die zweckmäßige Verteilung
der einem Netze gleich die ganze ungeheure Ländermasse überziehenden Strahen-
anlagen, die unverwüstliche Solidität der Chaussierung, die Kunst und die Massen-
haftigkeit der damit verbundenen Arbeiten, wie Viadukte, Brücken, Abzugsgräben
und andere Wasserbauten, alles ist gleich sehr geeignet, das Staunen der Nachwelt
zu erregen. Umsomehr, als in vielen Ländern die jetzigen Kommunikationsmittel
weit hinter den altrömischen zurückstehen und die noch benutzten Reste der Römer
straßen gegenüber der Verkommenheit und Dürftigkeit des gegenwärtigen Wege
baues in doppelter Herrlichkeit erscheinen; oft reitet jetzt (wie z. B. in Süditalien, im
Neapolitanischen) der einsame Wanderer auf Saumpfaden durch unwegsame und