5. Der Kampf der Verkehrsmittel im Stromgebiete des Rheins. 529
die feit dem 1. Juli 1844 vollzogene Ausdehnung ihres Fahrtenbetriebes bis Mannheim
daselbst eine Verbindung mit der zum Teil fertigen, zum Teil noch im Werk begriffenen
badischen Eisenbahn zu gewinnen und so die „Rückwirkungen möglichst zu
paralysieren, die von der bedauerlichen Störung ihrer Verbindung mit dem Oberrhein
durch die Liquidation der Adler-Gesellschaft' sowohl in materieller als moralischer
Beziehung zu erwarten standen". Die durch die freundlichen Beziehungen geschaffenen
Verkehrsanschlüsse wurden bald durch förmlichen Vertrag gesichert, den die
Großherzoglich Badische Eisenbahnverwaltung mit dem Vorstand der genannten
Dampfschifsahrtsgesellschaft 1845 schloß.*) Auch in den nächsten Jahren zeigte das
Verhältnis der beiden Jnteressentengruppen keine Trübung und entsprach vollkommen
den schönen Erwartungen, die daran geknüpft wurden, so daß die Schiffahrtsgesellschaft
nicht dankbar genug die „loyale und rücksichtsvolle Behandlung anerkennen"
konnte, die ihr von der Direktion jenes Staatsunternehmens zuteil ward.
Die nämliche Eisenbahn, die sich hier als Fortsetzung der bis Mannheim geführten
Rheinschiffahrtslinien erwies und mit der Mainz-Düsseldorfer Dampfergesellschaft
gemeinsam arbeitete, war mit der Preußisch-Rheinischen Dampfschiffahrtsgesellschaft
zu Köln in ununterbrochenem Konkurrenzkampf begriffen, wie dies bei
Fertigstellung neuer Bahnlinien bald die Regel wurde. Einmal weil sie gleich
günstige Anschlußverhältnisse nicht mehreren Dampfschiffahrtsdirektionen bieten
konnte, dann aber auch vor allem, weil die preußischen Schiffe nicht in Mannheim
ihre Waren in das rollende Material überluden, sondern mit diesen aufwärts bis
Straßburg fuhren.
Ungeachtet des so zwischen beiden Transportarten entbrennenden Wettkampfes
lieferten namentlich die Talfahrten auf dem Rhein zwischen Straßburg und Mannheim
zunächst noch ziemlich günstige Resultate, so daß man das Fortbestehen der
Dampfschiffahrt auf dem Oberlauf um so zuversichtlicher erwarten durfte, als auf demselben
bedeutende Verbesserungen in der Strombahn und an den Uferbauten zum
Vorteil der Schiffahrt ausgeführt wurden. Diese Hoffnungen erwiesen sich jedoch nur
zu bald als trügerisch. Denn wenn auch die Benützung der Rheinstraße in der Folgezeit
im allgemeinen zunahm, war an dieser Erscheinung doch die Flußstrecke oberhalb
Mannheims nicht beteiligt. Auf ihr ging der Verkehr unter der Konkurrenz der
dortigen Eisenbahnen bald rasch zurück. Zwischen Basel und Strahburg kamen schon
1847 Kaufmannsgüter fast gar nicht mehr auf die Wasserstraße, sondern wurden teils
auf der französischen, teils auf der badischen Bahn befördert. Auch weiter abwärts
bis Mannheim kämpfte die Schiffahrt, die auf dieser Stromstrecke schwierig und wegen
der Rheinzölle teuer war, vergeblich gegen die badische Eisenbahn, die wirklich
geringe Frachtpreise forderte. Im Jahre 1855 war der Kampf zugunsten der Eisenbahnen
am Oberrhein endgültig entschieden. Die Kölner Gesellschaft gab die Fahrten
von Mannheim bis Straßburg als unlohnend auf, da sie für ihre durch schlechtes
Fahrwasser behinderten, durch Zölle und Rekognitionsgebühren verteuerten Reisen
beim Wettbewerb der Schienenbahnen keine Transportgegenstände mehr finden
konnte.
Am Mittel- und Unterrhein traten die Resultate des Wettbewerbs zwischen
Eisen- und Wasserstraßen viel weniger offensichtlich zutage, eine entschiedene Überlegenheit
eines der beiden Konkurrenten machte sich nicht dauernd geltend. Nur von
kleineren Schiffahrtsunternehmungen hören wir, daß sie der Konkurrenz der Eisenbahnen
unterlagen. Beispielsweise zeigte der Marktschiffer Hänlein zu Mainz am
3. April 1845 der dortigen Bürgermeisterei an, daß er die Marktschiffahrt Mainz—
*) Ähnliche Anschlüsse an die Eisenbahnen wurden bald auch am Mittel- und Unterrhein
erzielt.
Mollat, Volkswirtschaftliches Quellenbuch. 4. Ausl.
34