Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

7. Zur Geschichte der deutschen Reederei. 
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Die verbesserte Technik der Schiffs- und Maschinenkonstruktion ermöglichte die 
Schaffung größerer, leistungsfähigerer Schiffstypen. Der 1867 von der „Hammonia" 
für die überfahrt von Southampton nach New Jork geschaffene Rekord von 9y 4 
Tagen wurde mehr und mehr zu einem Durchschnittsmaße. Gesteigerte Geschwindig 
keiten und verbilligter Betrieb, namentlich die Kohlenersparnis, die es ermöglichte, 
daß die Schiffe mit der im Heimatshafen eingenommenen Kohle selbst für die west 
indische Reise ausreichten und das teure, zeitraubende Bunkern in der Fremde ver 
mindert wurde, förderten die Reederei ungemein. 
Die durch den Eisenbahnverkehr überall geweckten Ansprüche auf Schnelligkeit, 
Pünktlichkeit, Regelmäßigkeit und Bequemlichkeit in der Beförderung begegneten sich 
mit den technischen Vervollkommnungsmöglichkeiten zur See, und die heimische 
Reederei vermochte an diesem Fortschritte nicht nur durch den Ankauf ausländischer 
Schiffe teilzunehmen, sondern die günstige Entwickelung der deutschen Werften setzte 
sie nach und nach in die Lage, Neubauten, Umbauten und Reparaturen jeder Art 
unter ihren eigenen Augen, in nächster Nähe des Heimathafens ausführen zu lassen. 
Ein besonders wichtiges Moment war ferner die allmähliche Ausbreitung des 
unterseeischen Kabelnetzes durch alle Meere, die den an den entferntesten Plätzen be 
findlichen Schiffen eine augenblickliche Verbindung mit dem. Heimathafen sowie jedem 
anderen Hafen und dem Reeder eine sofortige Übersicht über den gesamten Frachten 
markt und Passagieroerkehr in aller Herren Ländern gestattet hat. So wurde z. B. 
die Anwendung der Bodmerei fast vollkommen unnötig, gleichzeitig auch die Finanz 
gebarung des Schisfahrtsverkehrs verändert und die Möglichkeit einer einheitlich ge 
leiteten und doch individuell sich anpassenden Organisation ausgedehntester Groß 
betriebe für den Seetransport in allen Schiffahrtsländern begründet. Leider hielt 
man sich von der Beteiligung am Ausbau des überseeischen Kabelnetzes allerdings 
lange fern, obgleich Werner Siemens die ersten Kabel fabriziert hatte. 
Die fortschreitende Technik des Wasser- und Tiefbaues ermöglichte ferner eine 
mit der Steigerung der Verkehrsintensität Schritt haltende oder ihr gar vorauseilende 
und die Wege ebnende Verbesserung der Fahrstraßen, Hafen- und Dockanlagen, was 
speziell Deutschlands einst schwer zugänglichen Küsten für die Vertiefung der Ströme 
und Strommündungen erheblich zu statten kam. Denn heutzutage kann man an jedem 
Flußlaufe wohlzugängliche erstklassige Häfen schaffen, so daß fortan lediglich das 
wirtschaftliche Bedürfnis und nicht mehr die natürliche Lage der Reederei die Schiffs 
typen diktiert. 
Die Förderung der Kenntnis der Meereswege und der Strömungen, die Ein 
führung ständig verbesserter nautischer Instrumente und die gleichfalls durch die Fort 
schritte der Technik ermöglichte bessere Betonnung und Befeuerung der Küsten ver 
ringerten im Verein mit der wachsenden Größe und Festigkeit der Schiffe die relativen 
Gefahren der Fahrt, das Risiko der Havarie und damit auch die Höhe der Ver 
sicherungsprämien wesentlich. 
All diese Momente wirkten mit den übrigen technischen Fortschritten dahin zu 
sammen, um für die weltwirtschaftliche Entwickelung, für die Befriedigung des ent 
stehenden und zunehmenden Bedürfnisses nach einem regelmäßigen Bezüge von 
Massengütern über die Erde hin das geeignete Verkehrsinstrument zu schaffen. Welt 
verkehr und Ozeanreederei wurden auf eine ganz neue Grundlage gestellt, und ent 
sprechend änderte sich die Betriebsgestaltung hinsichtlich der Unternehmungsformen, 
der Eigentumsverhältnisse, der Kapitalsgröße, der Schiffszahl und Schiffsräume von 
Grund aus. 
Zu Anfang und bis Mitte des 19. Jahrhunderts spielte die Reederei keineswegs 
stets die Rolle eines selbständigen Gewerbes. An kleinen Plätzen, wo mehr flüssiges 
Kapital als Gelegenheit, es in Handel und Gewerbe anzulegen, vorhanden war,
	        
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