Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

10. Zur Eröffnung des Nordostseekanals. 583 
Doppelschraubendampfer dürfte der Norddeutsche Lloyd an der Spitze aller Gesell 
schaften stehen. 
Die vier Schnelldampfer ermöglichen es dem Norddeutschen Lloyd, in jeder 
Woche einen Schnelldampfer west- bezw. ostwärts auslaufen zu lassen, während im 
Hafen von Bremerhaven bezw. New Park je ein Schnelldampfer löscht oder Ladung 
einnimmt. 1912 hatte der Norddeutsche Lloyd 9 Dampferbauten in Auftrag gegeben, 
davon 4 Frachtdampfer von durchschnittlich 6 500 Registertonnen, 4 Fracht- und Passa 
gierdampfer von durchschnittlich 8 500 Registertonnen und 1 Fracht- und Passagier 
dampfer, der den heute größten 25 570 Registertonnen fassenden Lloyddampser 
„George Washington" — den größten, im Betrieb befindlichen, deutschen Dampfer 
überhaupt — noch um etwa 10 000 Registertonnen übertreffen soll, also die stattliche 
Größe von 35 000 Registertonnen erhalten wird. 
Die Besatzung der Flotte beläuft sich auf über 14 000 Mann, von denen ca. 
8850 Personen auf die rein seemännische Schiffsbesatzung kommen; von dieser sind 
allein 450 Kapitäne und Schiffsoffiziere und 650 Maschinisten. Das übrige Schiffs 
personal, Ärzte, Zahlmeister, Köche und Stewards usw., ist noch etwa 5000 Per 
sonen stark. 
Entsprechend der Schiffsbesatzung ist auch das an Land beschäftigte Per 
sonal des Lloyd bedeutend. Es besteht, einschließlich der Direktion, aus 600 kauf 
männischen Angestellten und aus 3400 technischen Angestellten, Ingenieuren und 
Werkstättenarbeitern im Heimatshasen. Dazu kommen noch 6000 Dockarbeiter, Küper 
und Stauer, die im Heimatshafen und den zahlreichen auswärtigen Häfen tätig sind. 
Alles in allem beschäftigt der Norddeutsche Lloyd in seinen Diensten ein P e r - 
sonalvon etwa 24 000 Menschen. Das ist eine Menschenmenge, die manche 
sonst recht ansehnliche Kreisstadt in unserem Vaterlande nicht aufzuweisen hat. 
Neben seinem Schiffspark besitzt der Lloyd in Bremerhaven ein eigenes Trocken 
dock mit Reparaturwerkstätten außer dem gepachteten „Kaiserdock", Magazine für 
Proviant- und Schiffsausrüstung, einen Landungsplatz mit Bahnhof und Wartehalle 
mit Gepäckabfertigung für Reisende, verschiedene Lagerschuppen für abgehende und 
ankommende Güter und Kohlenschuppen: in Bremen neben seinem prachtvollen riesen 
haften Verwaltungsgebäude ein Proviantamt, außerdem eine Gepäckabfertigungs 
halle und eine Dampfwäscherei; in New Pork Pieranlagen mit Wartehallen und 
Packhaus; in Genua, New Pork und Hongkong Betriebs- und Maschineninspektionen: 
die Zeche „Emscher-Lippe", die er mit der Firma Fried. Krupp in Essen gemeinsam 
betreibt, verschiedene Kohlendepots in auswärtigen Häfen, verschiedene Kontroll 
stationen und andere Anlagen. 
10. Zur Eröffnung des Nordostseekanals. 
Von Kaiser Wilhelm II. 
W i l h e l m l 1., Rede, gehalten am 21. Juni 1898 nach der Schlußsteinlegung des Nordostsee 
kanals. In: Deutscher Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischer Staats-Anzeiger. Berlin, 
den 22. Juni 1895. Nr. 147. jS. 2.j 
Mit Freude und Stolz blicke Ich auf diese glänzende Festversammlung, und zu 
gleich im Namen Meiner hohen Verbündeten heiße Ich Sie alle, die Gäste des Reichs, 
herzlich willkommen. Innigen Dank sprechen Wir aus für die Teilnahme, die Uns 
bei Vollendung eines Werks geworden, welches, in Frieden geplant und in Frieden 
gebaut, heute dem allgemeinen Verkehr übergeben ist. 
Nicht erst in unseren Tagen ist der Gedanke, die Nord- und Ostsee durch einen 
großen Kanal zu verbinden, entstanden; weit zurück bis in das Mittelalter hinein
	        
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