Object: Der deutsche Buchhandel

III. Die Zweige des deutschen Buchhandels, 53 
lich gemacht werden würden. Das Provinzialsortiment bezieht seinen 
Bedarf, hauptsächlich gerahmte Bilder, die für Geschenkzwecke ‚ge- 
eignet sind, nach den Mustern der Reisevertreter unmittelbar von den 
Kunstverlegern. Nur ausnahmsweise sind den Sortimentsbuchhand- 
lungen Kunstgeschäfte angegliedert, die sich auf weitergehende An- 
forderungen eingestellt haben und für ihre Leitung nicht nur der 
buchhändlerischen, sondern auch der kunsthändlerischen . Schulung 
bedürfen. 
Reine Kunsthandlungen, und in Verbindung mit ihnen Kunst- 
antiquariate, können nur in größeren und Großstädten bestehen. Sie 
widmen sich hier nicht nur den Erzeugnissen der graphischen 
Industrie, sondern unterhalten dauernde Ausstellungen von Ge- 
mälden und Plastik aller Art. Soweit die Kunsthandlungen in Leipzig 
durch Kommissionäre vertreten sind und dem Börsenverein der 
Deutschen Buchhändler angehören, finden sie auch durch ihn ihre 
Interessenvertretung; die „Vereinigung der Kunsthändler, e. VE 
ist Organ des Börsenvereins. 
Für die nebenamtliche Betätigung des Kunsthändlers wird man 
sich durch die Praxis im Geschäft mit den verschiedenen graphischen 
Herstellungsarten, dem Kupferstich, Stahlstich, der schwarzen und 
farbigen Lithographie und den chemigraphischen Verfahren usw, ver- 
traut machen können. 
Wer sich ausschließlich dem Kunsthandel widmen will, muß in 
einer Kunsthandlung — meist in dreijähriger Lehrzeit — die Grund- 
Jagen für seine spätere Berufstätigkeit legen, Er braucht eingehende 
Sachkenntnis auf dem Gebiet der Reproduktionstechniken, vor allem 
der edlen, künstlerischen Originalverfahren, er muß um die Editions- 
gebräuche wissen und verschiedene Editionen erkennen, man ‘ver- 
langt von ihm einen zuverlässigen Überblick über die Gesamtproduk- 
tion des Kunstverlags und — damit geht die Praxis in die Wissen- 
schaft über — rasches und sicheres Urteil über Kunstdinge, ge- 
gründet auf kunstgeschichtlichem Wissen, wie Verständnis für 
die Grundlagen künstlerischer Bewertung beim Verkehr und bei der 
Beratung von Künstlern, Kunstfreunden und Sammlern. An allgemein- 
wissenschaftlicher Vorbildung werden die gleichen Erfordernisse 
wie für den Buchhändlerberuf, besser noch die für den Antiquars- 
beruf, zu gelten haben. 
Das Gebiet des Kunsthandels ist groß und weitverzweigt, So daß 
ein näheres Eingehen auf Einzelheiten oder auf das reiche Gebiet 
seiner Hilfsmittel im Rahmen eines kurzen Buchabschnitts ausge- 
schlossen ist. Zudem sind die Verkehrsformen im Kunsthandel nur 
wenig den buchhändlerischen gleich, sondern rein kaufmännischer 
Natur. 
Wer sich mit guter Vorbildung, auch in sprachlicher Hinsicht, 
mit Freude am Schönen, das hier in reichem Maße geboten wird,
	        
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