Die Gruppe der Unentwegten
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eine objektive Grundlage in den notwendigen Bedürfnissen des
Menschen x ).
Wenn Guyot nun nicht zu einer Klärung des Begriffes
„Brauchbarkeit“ gelangt, so stellt er denselben doch an die Stelle
des Begriffes „Gebrauchswert“. Damit ist natürlich wieder die
uralte Antinomie zwischen Gebrauchs- und Tauschwert, oder, wie
Guyot sagt, zwischen Brauchbarkeit und Wert, gegeben. Diese
sucht er nunmehr durch eine subtile und speziöse Argumenta
tion zu lösen.
J. B. Say hatte die Frage aufgeworfen : „Da der Reichtum
eines Volkes aus dem Werte der Güter besteht, die es besitzt,
wie kann ein Volk umso reicher sein, als die Güter bei ihm
billiger sind?“ Sismondi und Proudhon faßten die Frage
wie folgt : in dem Maße, in welchem eine Brauchbarkeit ver
mehrt wird, verliert sie an Wert. Je größer eine Weinernte,
desto geringer der Wert des Weines. Zwischen der Notwendig
keit der Arbeit und deren Resultat besteht also ein Widerspruch.
Je mehr Brauchbarkeiten ein Individuum oder eine Nation er
zeugen, desto ärmer werden sie usw. 2 ).
Darauf antwortete Guyot: um den hier zum Ausdruck
kommenden Widerspruch zwischen Brauchbarkeit und Wert zu
lösen, muß man von einer genau präzisierten Unterscheidung
zwischen der Rolle des fixen und derjenigen des umlaufenden
Kapitals in der Volkswirtschaft ausgehen. Dieser Unterschied
hat Adam Smith nur unbestimmt vorgeschwebt. Ch. Menier
und ich (Guyot) sind die ersten gewesen, welche denselben
darin erkannten, daß das fixe Kapital bei der Produktion seine
identität nicht verliert und verbraucht wird 3 ). Mit der tech
nischen Vervollkommnung des fixen Kapitals steigt die Produk
tivität der menschlichen Arbeit ; Rohstoffe werden beim Pro
duktionsprozeß weniger verbraucht, sie werden also billiger ;
Produkte werden zahlreicher und mit geringern Kosten erzeugt,
sie werden ebenfalls billiger. In dem Maße, als das umlaufende
Kapital (Rohstoffe und Produkte) an Wert verliert, wird um
laufendes Kapital (Geld) frei und kann in fixem Kapital
0 ibid. p. 107.
2 ) ibid. p. 283—236.
3 ) ibid. p. 66—68 ; p. X. Ch. Menier, Théorie et Application de l’Impôt
sur le Capital, 1874.