Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die  gegenwärtige  Lage  der  liberalen  Schule

er  jedoch  nicht  einzudringen.  Dagegen  versteht  er  es,  deren  Oberfläche ­
  hell  zu  beleuchten;  er  ist  stets  interessant,  manchmal
blendend  oder  verblüffend.  Das  alles  trägt  dazu  bei,  daß  seine
Werke  einen  größeren  Leserkreis  finden,  als  ihn  wissenschaftliche ­
  Bücher  sonst  zu  haben  pflegen.  An  Stelle  Bastiats  liest
man  heute  in  der  reaktionären,  liberalen  Bourgeoisie  Frankreichs
Paul  Leroy-Beaulieu.  In  diesen  Kreisen  wirken  übrigens  als
Reklame  für  ihn  die  ausgezeichneten  finanziellen  Ratschläge
seiner  (oben  bereits  besprochenen)  Wochenschrift  L'Economiste
Français,  deren  Befolgung  mancher  ein  Vermögen  verdankt.
Der  Grund  der  Methode  Paul  Ler  oy-Beau  lie  us  liegt  in
aufmerksamer  Beobachtung  möglichst  zahlreicher  Einzel-  und
Kollektiverscheinungen  des  zeitgenössischen  Wirtschaftslebens  *).
Als  Hilfsmittel  verschmäht  er  nicht  beständiges,  persönliches
Enquetieren  bei  zahlreichen  Angehörigen  der  verschiedensten
Berufszweige  2 ).  Auch  war  er  als  Erbe  eines  Millionenvermögens
in  der  günstigen  Lage,  sich  an  den  verschiedenartigsten  Unternehmungen ­
  im  In-  und  Auslande,  insbesondere  in  Kolonialländern ­
  zu  beteiligen,  was  ihm  Gelegenheit  zu  vielfältigen  Beobachtungen ­
  bot 3 ).  Durch  ein  jahrzehntelanges,  unermüdliches

Essai  sur  la  répartition  des  richesses  et  sur  la  tendance  à  une  moindre  inégalité
des  conditions.  Guillaumin-Paris,  zuerst  1881,  3.  Aufl.  1897.  '—  L’Etat  moderne
et  ses  fonctions.  Guillaumin-Paris,  3.  Ausi.  1900.  —  Le  Collectivisme,  examen
critique  du  nouveau  socialisme.  Paris-Guillaumin,  5.  Aufl.  1907.  —  Traité  de  la
science  des  Finances,  2  Bde.,  zuerst  1877,  7.  Aufl.  1900.  —  Traité  théorique  et
pratique  d’économie  politique,  4  Bde.,  zuerst  1895,  3.  Aufl.  1900.
1)  In  der  Vorrede  zur  2.  Auflage  seines  Traité  sagt  er:  „Meine  Methode
besteht  darin,  die  politische  Ökonomie  als  eine  lebendige  Wissenschaft  zu  behandeln, ­
  sie  in  einer  Zeit,  in  der  Erfahrungen  nach  allen  Richtungen  in  Hülle
und  Fülle  vorhanden  sind,  durch  aufmerksame  Beobachtung  zu  verjüngen,  zu
festigen  und  zu  entwickeln.“
2 )  „Ich  habe  persönlichen  Verkehr  gesucht  mit  Bankiers,  Großindustriellen,
Großgrundbesitzern,  asiatischen  und  afrikanischen  Forschungsreisenden  und  Kolonisten, ­
  Kleinindustriellen,  Kleinbauern,  kleinen  Handeltreibenden,  Handwerkern
und  Fabrikarbeitern.“  Vorwort  zur  1.  Aufl.  des  Traité.
3 )  „Seit  1870  habe  ich  mich  in  die  finanzielle  Bewegung  der  Alten  und
der  Neuen  Welt  gemischt  und  alle  Oszillationen  der  Börse  genau  studiert.  .  .  .
Ich  habe  mich  mit  Kapitalien  an  den  verschiedensten  Unternehmungen  in  verschiedenen ­
  Erdteilen  beteiligt,  bald  zu  meinem  Vorteil,  bald  zu  meinem  Schaden.
Ich  habe  unter  meinen  Augen  und  auf  meine  Rechnung  arbeiten  sehen  :  Neger
und  Araber,  französische  Landarbeiter  des  Südens  wie  des  Nordens.“  ibid.
            
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