133
Die Gruppe der Historiker
Die Bedeutung der historischen Methode für die Nationalökonomie
beurteilt er folgendermaßen:
1. Die historische Methode allein ist nicht ausreichend zur
Feststellung der meisten grundlegenden Gesetze der Volkswirtschaftslehre.
2. Die beschreibende und historische Methode ist besonders
wertvoll um zu kontrollieren, ob die auf Grund von Beobachtungen
gewonnenen Schlüsse der Wirklichkeit entsprechen, ob
sie universelle Bedeutung haben oder lokal und zeitlich begrenzt
sind.
3. Das eigentliche Tummelfeld für die historische Methode
sind die Fragen der Volkswirtschaftspolitik.
4. Die historische Methode ist notwendig, um die Beziehungen
der wirtschaftlichen Erscheinungen zum gesamten
Volksleben verständlich zu machen.
5. Die historische Methode leistet der politischen Ökonomie
gute Dienste, indem sie die Entstehung der volkswirtschaftlichen
Theorien, die Kontroversen und die Aufeinanderfolge der
verschiedenen Schulen, sowie die Beziehungen der Systeme zu
den sozialen Zuständen, in denen sie entstanden sind, nachweist.
6. Aus der Handhabung der historischen Methode ergibt
sich eine exakte Wirtschaftsgeschichte, deren Wert um so höher
anzuschlagen ist, als die allgemeine Geschichte bisher die wirtschaftlichen
Phänomene vernachlässigte oder ungenügend und
unrichtig erfaßte.
7. Mißbräuchlich wird die historische Methode, wenn man
versucht, sie ausschließlich anzuwenden, statt sie mit der
Methode direkter, zeitgenössischer Einzelbeobachtung zu verbinden.
Denn alsdann läuft man Gefahr, nur äußere Erscheinungsformen
und zufällige Resultate zu erfassen, ohne bis zur
Wesenheit der Dinge vorzudringen. Man macht insbesondere
fruchtet sie ; sie setzt sie in die Lage, die rationellen Lehrsätze zu kontrollieren,
in die verborgenen Falten des Lebens der Völker einzudringen und so
die Verschiedenheit der Erscheinungen in derselben Zeit und deren Veränderungen
in der Aufeinanderfolge der Zeiten zu beleuchten ; ihre Forschungen und
die Tragweite ihrer Lehren in dem Maße zu erweitern, als sich die materiellen
Interessen der Gesellschaften ausdehnen und verschieben; die intimen Beziehungen
zu zeigen, welche in jeder Epoche die wirtschaftlichen Dinge mit der gesamten
sozialen Ordnung verbinden.“ ibid. p. XIII—XIV.