Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Die  Gruppe  der  Historiker

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Stets  war  der  Autor  darauf  bedacht  möglichst  alle  Tatsachen ­
  aus  ersten  Quellen  zu  schöpfen.  Dazu  unternahm  er

italienischen  ,  englischen  und  deutschen.  Die  Anschauung,  daß  die  mittelalterlichen ­
  Zünfte  sich  aus  den  römischen  Kollegien  entwickelt  hätten,  bekämpft  er
aufs  entschiedenste.  Über  die  Zünfte  urteilt  Levasseur  :  die  römischen  Kollegien
gingen  in  der  Völkerwanderung  unter.  Durch  Jahrhunderte  wurden  sie  durch
nichts  ersetzt.  Die  Zünfte  entstanden  spontan  im  XII.  und  XIII.  Jahrhundert
als  wirtschaftlicher  Zusammenschluß  der  in  dem  kommunalen  Befreiungsprozeß
dieser  Periode  aus  der  Hörigkeit  zur  persönlichen  Freiheit  gelangenden  gewerblichen ­
  Bevölkerung.  Die  Zünfte  existierten  zunächst  nur  in  einigen  Städten  und
waren  weit  geöffnet.  Aber  der  Monopolgeist  war  im  Herzen  der  Einrichtung
drin.  Dieser  Geist  entwickelte  sich  in  dem  Maße,  als  die  Zünfte  an  Zahl  zunahmen. ­
  Er  diente  dem  Interesse  der  Handwerksmeister  sowohl  als  dem  der
königlichen  Gewalt,  in  deren  Augen  die  Zünfte  ein  Element  der  Ordnung  und
der  Befestigung  der  Zentralgewalt  waren.  Nach  dem  hundertjährigen  Kriege
und  im  XVI.  Jahrhundert  verbreitete  sich  das  korporative  System  schnell.
In  der  Periode  der  Religionskriege  wucherten  die  Schäden  des  Zunftwesens ­
  am  üppigsten.  Das  absolute  Königtum  des  XVII.  Jahrhunderts  unterwarf ­
  die  Zünfte  strenger  Beaufsichtigung  und  vermehrte  deren  Zahl  aus  fiskalischen ­
  Gründen;  es  stürzte  sie  in  Schulden,  indem  es  Geld  aus  ihnen  preßte;
es  hielt  die  Privilegien  und  die  hierarchischen  Ungleichheiten,  welche  mit  der
Gesamtheit  der  Institutionen  der  Monarchie  harmonierten,  aufrecht,  indem  es
selbst  autoritativ  die  Fabrikationsverfahren  reglementierte,  und  indem  es  seine
Hand  schwer  auf  den  Gesellen  lasten  ließ,  um  sie  in  Unterordnung  unter  ihre
Meister  zu  erhalten.
Im  Mitteltalter  waren  die  Zünfte  eine  vorteilhafte  Einrichtung.  Den  aufkeimenden ­
  Gewerben  gaben  sie  einen  heimischen  Herd,  den  Handwerkern  sicherten
sie  Schutz  gegen  Unterdrückung;  sie  versuchten,  wenn  auch  mit  geringem  Erfolg, ­
  loyale  Fabrikation  zu  garantieren;  ihnen  verdankten  die  Handwerksmeister
eine  geachtete,  ehrenvolle  soziale  Stellung,  sie  waren  für  Meister  und  Gesellen
eine  Stätte  fröhlicher,  geselliger  Unterhaltung.  Dagegen  hafteten  ihnen  fast  von
Anfang  an  Mißstände  an,  die  mit  der  Zeit  zunahmen  :  in  ihnen  verkörperten
sich  Routine  und  Monopoltendenzen  ;  sie  erwiesen  sich  als  ein  Hemmnis  des  gewerblichen ­
  und  des  wirtschaftlichen  Fortschritts,  sowie  der  Großindustrie;  sie
verleiteten  die  Handwerker  zu  vielen  überflüssigen  Ausgaben.
Der  Schutz  der  Zünfte  war  wahrscheinlich  im  XVI.  Jahrhundert,  sicher
aber  im  XVII.  und  XVIII.  Jahrhundert  nicht  mehr  nötig,  denn  die  allgemeine
Polizeigewalt  des  Staates  genügte  damals  zur  Sicherung  der  individuellen  Rechte.
Die  Lage  der  Gesellen  in  den  Zünften  war  eine  solche  strenger  Abhängigkeit ­
  von  den  Meistern.  Die  Zünfte  waren  eine  Art  beständiger  und  stillschweigender ­
  Koalition  gegen  jede  Lohnerhöhung.  Allerdings  vermochte  diese  das
Spiel  von  Angebot  und  Nachfrage  nie  ganz  auszuschalten  ;  aber  sie  war  wirksamer
als  die,  welche  man  heute  den  Trusts  vorwirft,  weil  die  beruflich  streng
geschiedenen  Gesellen  nicht  über  die  Kompensation  eines  freien  Marktes  verfügten. ­
  Levasseur  Histoire  avant  1789,  Bd.  II,  p.  908  ff.,  941  ff.
            
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