Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die  gegenwärtige  Lage  der  liberalen  Schule

umfassende,  jahrzehntelange  Archivstudien.  Die  ungezählten
Materialien,  welche  er  gesammelt,  hat  er  zum  geringem  Teil
in  Fußnoten  untergebracht;  die  meisten  jedoch  wurden  in  den
Text  ausgenommen,  sei  es,  um  von  den  jeweilig  behandelten
Tatsachen  ein  vollkommeneres  Bild  zu  geben,  sei  es  zur  Motivierung ­
  der  gefällten  Urteile.  Wiederholt  weist  Levasseur  übrigens ­
  mit  Stolz  darauf  hin,  daß  er  zu  jeder  Frage  genügend
Tatsachenmaterial  zusammengestellt  habe,  um  es  jedem  Leser
zu  ermöglichen,  sich  selbst  über  die  Frage  ein  Urteil  zu  bilden,
so  daß  er  nicht  darauf  angewiesen  sei,  sich  dem  Urteil  des
Autors  anzuschließen  i)  *  *  *  *  *  *  *  *  x ).
Obwohl  Levasseur  die  liberale,  nichtinterventionistische
Volkswirtschaftslehre,  dank  der  historischen  und  objektiven
Methode,  in  der  geläutertsten  und  wissenschaftlich  haltbarsten
Form  vertritt,  so  will  es  ihm  doch  nicht  gelingen,  Schule  zu
machen.  Er  steht  innerhalb  der  liberalen  Richtung  auf  einsamer
Höhe.  Allerdings  genießt  er,  wie  kein  Volkswirt  irgend  welcher
Schule,  allseitige  Sympathie  und  Achtung,  weil  er  stets  ehrlich
bestrebt  ist,  allen  Andersdenkenden  wohlwollendes  Verständnis
entgegenzubringen,  und  sich  der  Polemik  gegen  jedwede  fremde
Überzeugung  stets  enthalten  hat.
Es  gibt  allerdings  einen  Volkswirt,  der  unter  dem  Patronat
Levasseurs  gearbeitet  hat  und,  wenn  auch  nicht  ohne  Reserven, ­
  als  sein  Schüler  gelten  kann:  dieser  ist  Georges  d’Avenel.
Vicomte  Georges  d’Avenel,  geboren  1855,  seit  1876  korrespondierendes ­
  Mitglied  der  bayrischen  Akademie  der  Wisseni)

  Das  Gesamtergebnis  des  Werkes  faßt  Levasseur  wie  folgt  zusammen:
„Das  Privileg  und  die  Reglementierung  waren  die  vorherrschenden  Merkmale
der  gewerblichen  Organisation  vor  1789.  Von  1789  bis  1870  sind  die  Freiheit
und  die  Wissenschaft  die  beiden  großen  Faktoren  des  Fortschritts  gewesen;
deren  Folge  waren  Anwachsen  des  Kapitals  und  Entwicklung  zur  Großindustrie.
Die  Wirkung  dieser  Ursachen  dauerte  unter  der  dritten  Republik  fort.  Ja  die
Wirksamkeit  der  Wissenschaft  und  des  Kapitals  ist  sogar  intensiver  geworden
und  hat  die  industrielle  Konzentration  beschleunigt.  Dazu  trat,  seit  1870,  das
von  administrativem  Druck  befreite  allgemeine  Stimmrecht.  Ihm  verdanken  die
organisierten  Arbeitermassen  der  Städte  einen  steigenden  Einfluß  auf  das  Staatswesen ­
  ,  der  neben  den  des  Geldes  tritt.  Die  zeitgenössische  Periode  wird
durch  das  Vorwiegen  des  Interesses  für  die  Fragen  der  Organisation  der  Arbeit
und  der  Güterteilung  gekennzeichnet.“  Histoire  Teil  II,  Bd.  I,  p.  XIX,
und  Teil  III,  p.  IX.
            
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