Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Die  Gruppe  der  Universitätsprofessoren

175

daß  die  Doktoranden  der  juristischen  Fakultäten  meist  ideengeschichtliche ­
  Themata  zu  ihren  Dissertationen  zu  bevorzugen
pflegen,  kam  der  Erweiterung  und  Befestigung  von  Deschamps
Einfluß  zu  statten.  Unter  seiner  Führung  ist  eine  Generation
von  agrégés  in  die  juristischen  Fakultäten  hineingewachsen,
die  begeistert  an  ihrem  Lehrer  hangen  und  dem  Liberalismus
für  die  nächste  Zukunft  eine  ausgiebige  Vertretung  in  den
juristischen  Fakultäten  sichern.
Professor  Deschamps  ist,  wenn  wir  absehen  von  der
Revue  de  l'Histoire  des  Doctrines  économiques,  die  er  in  Gemeinschaft ­
  mit  Professor  Dubois  aus  Poitiers  im  Frühjahr  1908  gegründet ­
  hat,  mit  Publikationen  so  gut  wie  nicht  an  die  Öffentlichkeit ­
  getreten.  Seine  Anschauungen  spiegeln  sich  jedoch
wieder  in  dem  Werke  eines  seiner  Schüler  :  L’Individualisme
économique  et  social  (Paris,  1907)  von  Albert  Schatz,  das  bei
seinem  Erscheinen  Aufsehen  machte.
Albert  Schatz  ist  „professeur  agrégé“  der  Nationalökonomie ­
  an  der  juristischen  Fakultät  in  Dijon.  Wir  können  ihm
zunächst  als  wissenschaftliches  Verdienst  anrechnen,  daß  er
wertvolle  Beiträge  zur  Anfangsgeschichte  des  Liberalismus  und
Individualismus  zutage  fördert.  Insbesondere  weist  er  sehr  anschaulich ­
  nach,  wie  sich  die  philosophischen  Elemente  des
Klassizismus  in  der  paradoxalen  Fable  of  the  Bees  von  Bernard
de  Mandeville  (zuerst  als  Flugblatt,  London,  1706,  dann  wiederholt ­
  in  bedeutend  vermehrten  Auflagen)  bereits  sehr  klar  ausgesprochen ­
  vorfinden.  Nach  Schatz  haben  D.  Hume  und  Ad.
Smith  viele  Stellen  aus  Mandeville  wörtlich  übernommen.
Ethik  und  politische  Ökonomie  trennt  Mandeville  sehr  scharf;
ja  mit  seinem  Paradoxon  Private  vices,  public  benefits  stellt  er  sie
sogar  in  Gegensatz  zueinander.  Die  Nationalökonomie  fundiert
er  psychologisch,  indem  er  mit  großem  Zynismus  Hobbes'  Aufstellung, ­
  daß  das  persönliche  Interesse  die  Triebfeder  der
menschlichen  Tätigkeit  sei,  entwickelt.  Über  Hobbes  und  die
Philosophen  der  Schule  des  moral  sense  geht  aber  Mandeville
hinaus,  wo  er  die  Harmonie  der  Interessen  nicht  als  durch
despotische  Staatsgewalt  ermöglicht,  noch  als  freigewollt,  aus
den  gesellschaftlichen  Trieben  der  Menschen  sich  erklärend,
sondern  als  objektiv  in  der  Natur  der  Dinge  gegeben  nachweist, ­
  indem  sie  aus  dem  natürlichen  Ineinandergreifen  der
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.