Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

Buch IL 
Die katholischen und verwandten Richtungen. 
Wir haben es bei den hier in Frage kommenden Rich 
tungen nicht so sehr mit spezifisch volkswirtschaftlichen Schulen 
zu tun, sondern mit allgemein sozial wissenschaftlichen, denen 
es auf die Durchdringung der Gesellschafts- und Wirtschafts 
ordnung mit bestimmten, ethisch - religiösen Anschauungen in 
erster Linie ankommt. Darum treten auch in den katholischen 
Schulen die Detail fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik weit 
mehr in den Vordergrund, als dies bei der klassischen Schule 
der Fall ist. Die praktische Aktion, die Unterwerfung des 
Lebens unter Postulate, die von außen an das Gesellschafts 
und Wirtschaftsleben herantreten, ist hier die Hauptsorge. Das 
einigende Band aller hierher gehörigen Gruppen ist eben die 
Grundanschauung, daß der staatliche Organismus und das Wirt 
schaftsleben der katholisch-kirchlichen Sittenlehre oder doch 
mindestens dem Dekalog (Le Play) entsprechend zu gestalten 
seien. Darüber allerdings, wie eine solche Gesellschafts- und 
Wirtschaftsordnung aussehen soll, und welche Mittel zu deren 
Verwirklichung am geeignetsten erscheinen, darüber gehen die 
Meinungen auseinander. Die Geister scheiden sich, sobald es 
gilt, Stellung zu nehmen zu den zwei Kardinalfragen der Orga 
nisation der Gesellschaft und der Einmischung des Staates ins 
Wirtschaftsleben. 
Die heutige Gruppierung der katholischen und verwandten 
Schulen ist wesentlich durch die Stellungnahme zur Frage der 
Staatsintervention bedingt. Wir unterscheiden Interventionisten 
und Nichtinterventionisten. Innerhalb einer jeden dieser beiden 
Gruppen begründen die Anschauungen, welche sich auf die
	        
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