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I. Buch. Production und Consumtion.
Fabriken, Werkstätten und Bergwerken aitznwenden haben werden. Die jungen
Leute werden, wenn sie im Besitze derartiger Kenntnisse sind, schneller und
leichter vorwärtskommen, indem sie an den Materialien und Werkzeugen weniger
Schaden anrichten. Nur darf man die Bedeutung dieses technischen Elementar
unterrichts nicht übertreiben. Derselbe ist im Bergleich mit einer gesunden
physischen, geistigen und vor allem religiös-sittlichen Erziehung, anfänglich in
Haus uud Schule und später in der Werkstatt, oder wo die jungen Leute
sonst ihren Platz finden, von weit geringerer Wichtigkeit.
Uebrigens hat die für jedermann immer weniger abweisbare Nothwendig
keit, sich die Elementarkenntnisse anzueignen — eine Nothwendigkeit, welche sich
infolge der großartigen Umgestaltungen auf dein Gebiete der Technik und der
Vervollkommnung der Verkehrsmittel immer fühlbarer machte —, die systema
tische Entwicklung der Körperkräfte verhältnißmäßig beeinträchtigt. In neuerer
Zeit ist aber in dieser Hinsicht eine heilsame Reaction eingetreten. Die Ein
führung eines rationellen Turnunterrichts in den verschiedenen Unterrichts
anstalten, die zahlreichen Turnvereine, die mannigfachen Arten des zwar haupt
sächlich dem Vergnügen dienenden Sports in freier Luft, welche zugleich der
Gesundheit und der körperlichen Entwicklung vielfach höchst förderlich sind
— so sehr auch bisweilen moralische und wirtschaftliche Gründe von einer über
triebenen Pflege des Weidwerks, des Berg- und Rennsports u. s. w. abhalten
sollten —, alle diese Erscheinungen üben ein starkes Gegengewicht gegenüber
Schädigungen des leiblichen Wohlseins und der naturgemäßen Entwicklung der
Körperkräfte, welche der gegenwärtigen Generation durch die vermehrten geistigen
Anstrengungen drohen i .
1 Es ist ein großer Irrthum, zu glauben, daß die in fachwissenschaftlichen uud
technischen Mittelschulen gelehrten Kenntnisse der gesamten Bevölkerung und nicht nur
einer ausgewählten Anzahl von jungen Leuten zugänglich gemacht werden sollten. Eine
derartige Forderung müßte den Glauben erwecken, daß alle Menschen eine hervorragende
Stellung im Leben einnehmen könnten, während es doch die Aufgabe des Fachunter
richts ist, Leute für specielle Berufe heranzubilden. Wäre es also nicht lächerlich, einen
solchen auch denjenigen zu ertheilen welche sich niemals den betreffenden Thätigkeits
zweigen zuwenden werden? Solchen Forderungen liegen in der That socialistische An
schauungen zu Grunde, denn eine gleichmäßige Erziehung und Ausbildung hängt mit
einer gleichen Vertheiluug der wirtschaftlichen Güter auf das innigste zusammen. Man
muß sich aber gegenwärtig halten: das von gewisser nicht socialistischer Seite gestellte
Begehren, daß jedermann eine Fachbildung ertheilt werde, ist nichts anderes als die
Forderung, cs möge eine gewisse Summe elementarer Fachkenntnisse in den Volks
schulen gelehrt werden, oder cs soll vielleicht gar nur den Wunsch ausdrücken, es möge in
jenen Kenntnissen Unterricht ertheilt werden, die, wie schon gesagt wurde, zur allgemeinen
Bildung gehören und die jungen Leute für die meisten Lebensberufe tüchtiger machen.
Ferner ist es eine irrthümliche Anschauung, wenn man der Meinung ist, daß,
weil auf dem Gebiete der meisten Produktionszweige Schulen, Akademien u. s. w. stir