Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Die  Nichtinterventionisten

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dasselbe  sich  weniger  gegen  die  gleiche  Erbteilung,  als  gegen
die  Teilung  in  natura  richtet.  Es  käme  zweifellos  der  Erhaltung
einer  lebenskräftigen  Landbevölkerung  in  Frankreich  zu  statten,
wenn  die  Sitte  sich  verallgemeinerte,  daß,  statt  der  Teilung  in
natura,  ein  Kind  den  Hof  übernähme,  mit  der  Verpflichtung,
seine  Geschwister  in  Geld  abzufinden.  Ob  aber  hierzu  die  Bevorzugung ­
  des  Anerben  nötig  ist,  ist  nicht  erwiesen;  und  ob
die  von  Le  Play  gewünschte  Testierfreiheit  die  von  ihm  erhoffte ­
  allgemeine  Betätigung  der  Anerbensitte  nach  sich  ziehen
würde,  ist  angesichts  der  Wirkungen  jener  Freiheit  in  den
Vereinigten  Staaten  mindestens  zweifelhaft.  Andererseits  ist  zuzugeben, ­
  daß  die  Testierfreiheit  dem  Wesen  einer  individualistischen ­
  Wirtschaftsordnung  entspricht.  Denn  es  scheint  gerecht, ­
  daß  derjenige,  der  ein  Vermögen  erwirbt,  auch  frei
darüber  soll  verfügen  können.
3.  Familie.  Die  Familie  ist  der  Brennpunkt,  in  dem  alle
Elemente  des  Le  Play  sehen  Systems  konvergieren.  Sie  ist  die
soziale  Urzelle,  die  „ewige“  Organisationsform,  welche  die  Befriedigung ­
  der  wesentlichen  Bedürfnisse  der  Menschheit:  Befolgung ­
  des  Sittengesetzes  und  Besitz  des  täglichen  Brotes  am
besten  garantiert.  Le  Play  definiert  die  Familie  als  „die
soziale  Einheit,  welche  die  an  demselben  Herd  wohnenden
Personen  umfaßt“ x ).  Grundlage  der  Familie  sind  die  natürlichen ­
  Gefühle  der  Gatten-,  Eltern-,  Kindes-,  Geschwisterliebe.
Elemente  der  Familie  sind  :  der  häusliche  Herd,  die  Frau  und
die  Ehe,  die  väterliche  Autorität,  Achtung  vor  dem  Alter,  Erziehung ­
  der  Jugend,  unverheiratete  Geschwister  und  häusliche
Dienstboten  2 ).  Die  Familie  ist  nötig,  um  die  Achtung  vor  dem
Weibe  zu  sichern.  Sie  wird  von  der  väterlichen  Autorität  beherrscht. ­
  Die  väterliche  Autorität  ist  „eines  der  vier  sittlichen
Elemente  der  Sozialordnung.  Sie  ist  die  von  Gott  gegebene
Gewalt,  welcher  obliegt,  die  Beobachtung  des  Dekalogs  und  die
Herrschaft  des  sozialen  Friedens  zu  sichern“  3 ).
Unter  Zugrundelegung  der  drei  unterschiedenen  Erbsysteme  :
zwangsweise  Erhaltung  des  Familiengutes,  zwangsweise  gleiche

J )  Le  Play,  Methode  Sociale,  p.  457.
2 )  Le  Play,  Réforme  Sociale,  ßd.  I,  1.  Ausi.  p.  166  ff.
3 )  Le  Play,  Méthode  Sociale,  p.  445.
            
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